Julius-Hirsch-Preis 2014 an Ultra-Gruppierung “Schickeria”
FC Bayern München Fans - UEFA Champions League Finale 2012 © Peter Scholz / Shutterstock.com
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GELSENKIRCHEN, 14. Oktober (SID) – Die Münchner Ultra-Gruppierung “Schickeria” ist mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden. Die Fans von Fußball-Rekordmeister Bayern München wurden am Dienstagnachmittag in Gelsenkirchen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geehrt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) würdigte damit zum zehnten Mal seit 2005 das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball.

Die nicht unumstrittene Schickeria hatte die Geschichte des früheren Bayern-Präsidenten Kurt Landauer mit zahlreichen Aktionen, darunter Choreographien in der Allianz Arena, wieder in Erinnerung gerufen. Landauer stand dem Klub viermal vor, wurde nach 1933 jedoch als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt.

Während zahlreiche seiner Familienmitglieder von den Nazis umgebracht wurden, kehrte Landauer nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Emigration zurück und baute den FC Bayern wieder auf. Landauer, der 1961 verstarb, ist inzwischen einer von drei Ehrenpräsidenten des FC Bayern – auch ein Verdienst der Schickeria. Die ARD zeigt am Mittwochabend (20.15 Uhr) einen Spielfilm über das Leben des Vereinsbosses.

“Die Schickeria hat ein deutlich sichtbares Zeichen gegen jede Art der Diskriminierung gesetzt”, sagte Niersbach. “Mit dem Preis wollen wir die Schickeria und andere Ultragruppen dazu ermutigen, mehr Verantwortung in diesem Bereich zu übernehmen.”

Mit der Stiftung des Julius-Hirsch-Preises erinnert der DFB an den deutsch-jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch (1892-1943) und an alle Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsstaates, insbesondere an die jüdischen. Der Ehrenpreis ging an den Berliner Mario Bendel, der 2011 die Facebook-Seite “FUSSBALL-FANS GEGEN RECHTS” gründete.

SID mm rd © 2008-2014 Sport-Informations-Dienst


Über den Julius-Hirsch-Preis

Der Julius-Hirsch-Preis wird seit dem Jahr 2005 jährlich vom Deutschen Fußball-Bund verliehen. Der DFB ehrt damit Personen und Organisationen, die in besonderer Weise ihre gesellschaftliche Position nutzen, um sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen. Der Preis erinnert an das Schicksal des siebenfachen deutschen Nationalspielers Julius Hirsch, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus seinem Verein, dem Karlsruher FV, ausgeschlossen und 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Der Preis wurde am 13. September 2005 ins Leben gerufen. Anlass war die Vorstellung einer historischen Untersuchung „Fußball unterm Hakenkreuz“ durch Nils Havemann, die sich mit der Rolle des DFB in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Mit der Stiftung des Julius-Hirsch-Preises möchte der DFB nicht nur der Opfer gedenken, sondern auch ein Zeichen für die Unverletzbarkeit und der Würde des Menschen setzen. Die Vision entstand durch den jüdischen Fußball-Pionier Walther Bensemann, der auch Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes war – „Menschen und Völker sollten durch den Fußball verbunden werden und Frieden stiften“.

Der Julius-Hirsch-Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert und wird anteilig, je nach Platzierung, an die drei Preisträger verteilt. Den ersten Preisträger bestimmte das Präsidium des DFB. Seitdem entscheidet eine Jury über die Verleihung des Preises, der bekannte Persönlichkeiten aus Sport, Kirche, Politik und Gesellschaft angehören.

Quelle: Julius-Hirsch-Preis (Wikipedia.org)

Weiterführende Links zur Schickeria München und dem Julius-Hirsch-Preis 2014