Fußball Lexikon

Frauenfußball in Deutschland

Eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen

Als Lotte Specht im Jahre 1930 mit dem 1. DFC Frankfurt den ersten Frauenfußballklub gründete, schlug ihr scharfe Kritik entgegen, die bereits 1931 zur Auflösung der Mannschaft führte. Im Zuge des Gewinns der Weltmeisterschaft der Männer 1954 erlebte das Interesse der Frauen am Frauenfußball eine erneute Blüte, die jedoch bereits 1955 mit dem Verbot des Frauenfußballs durch den DFB zerschlagen wurde. Erst 1970 hob der DFB das Verbot des Frauenfußballs wieder auf, führte jedoch gleichzeitig Regeln ein, die den Frauenfußball vom Männerfußball klar abgrenzten.

Seit 1990 gibt es in Deutschland die Bundesliga der Frauen. Dabei ist der FFC Frankfurt so etwas wie das weibliche Pendant zum FC Bayern München bei den Männern. Mit bisher insgesamt 23 Titeln steht der FFC Frankfurt als erfolgreichste deutsche Vereinsmannschaft der Frauen knapp vor Turbine Potsdam, die als einzige deutsche Mannschaft bisher die Champions League gewinnen konnten.

Seit 1982 werden im deutschen Frauenfußball Länderspiele ausgetragen. Seitdem hat die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen zweimal die Weltmeisterschaft und achtmal die Europameisterschaft gewonnen. Als im Jahre 2011 die WM im eigenen Land stattfand, hatte sich der Frauenfußball und seine Akteurinnen unter einen hohen Druck gestellt, der nicht erfüllt wurde: die deutschen Frauen scheiterten frühzeitig. Für die Siegerinnen aus Japan wurde es dagegen ein kleines Sommermärchen: nur wenige Monate nach der Atomkatastrophe in Fukushima zog eine ganze Nation Kraft aus dem Erfolg ihrer Mannschaft.

Erfährt der Frauenfußball noch immer eine Diskriminierung?

Zu Beginn der Debatte rund um den Frauenfußball hieß es zunächst lapidar, grundsätzliche Erwägungen und ästhetische Gründe genügten für ein Verbot. Der Mediziner Albert Zapp meinte, dass das Fußballspiel für Frauen generell schädlich sei; der niederländische Psychologe Fred J.J. Buytendijk stellte sogar fest, dass das Treten typisch männlich sei. Ob das Getreten werden dagegen weiblich sei, ließ er dahingestellt.

Derartige Vorurteile führten dazu, dass der Frauenfußball und die Frauen, die Fußball betrieben, als unweiblich angesehen wurden. Bezeichnungen wie „Suffragetten“, „Mannweiber“ oder „Kampflesben“ wurden zu Synonymen für Frauen, die Frauenfußball spielten. Und das, obwohl doch in den 70er Jahren die Regeln für den Frauenfußball im Vergleich zum Männerfußball derart abgeändert wurden, dass hiermit eine ganz neue Sportart – eben für Frauen – geschaffen und reglementiert wurde. Dennoch werden bis heute gerne Vergleiche zwischen diesen beiden Arten Fußball zu spielen gezogen. Vielleicht, weil die Regeln längst wieder vereinheitlicht wurden. Vielleicht auch, weil die Erfolge der Frauen in den letzten Jahren bedeutend größer waren als die der Männer, die Belohnungen dagegen über den Wert des mittlerweile berühmten Kaffeeservices von 1989 lange nicht herausgekommen waren.

Würde der Frauenfußball im Zuge der FIFA-WM 2015 durch die Austragung auf Kunstrasen diskriminiert?

Die WM 2011 wurde mit dem Slogan „20Elf von seiner schönsten Seite“ beworben. Frauenfußball sei elegant, dynamisch, leicht und locker – kurzum schön. Von einem Extrem ins andere; von der Kampflesbe, die nichts Weibliches an sich hat, hin zur grazilen Gazelle, die lediglich schön spielen möchte und der deshalb jeder Wettkampfgedanke abgeht. Deshalb gehe es im Frauenfußball auch fairer zu, weshalb sich die FIFA wohl nach kostengünstigeren Spielflächen umgesehen hat.

Klar ist, dass die FIFA laut eigener Statuten eine WM-Endrunde auf Kunstrasen nicht zulässt. Allerdings gilt das wohl nur für Männer. Dagegen haben nun mittlerweile 62 Spielerinnen vor dem Gericht für Menschenrechte im kanadischen Ontario geklagt. Die Wahl des Kunstrasens sei sexistisch, weil er bei den Männern nicht zulässig ist, für den Frauenfußball wohl aber genüge. Erwägungen dahingehend, dass es im Frauenfußball fairer zuginge und sich das „schöne“ Spiel der Frauen mit keinem den Männern ebenbürtigen Wettbewerbscharakter messen könne, schwingt als unterschwellige Diskriminierung mit.

Der Frauenfußball und seine Zukunft

Der Frauenfußball befindet sich auf einem guten Weg, in Deutschland immer mehr Anerkennung zu erfahren. Dennoch sind Debatten um Gleichberechtigung auch heute noch aktuell. Bis der Frauenfußball eine gleichwertige Stellung im Vergleich zum Männerfußball einnimmt, wird es noch einige Jahre dauern.

Weiterführende Links zum Thema Frauenfußball: