Fußball hat mich zu dem gemacht was ich heute bin
Die kenianische Fußball-Nationalspielerin Doreen Nabwire Omondi (SV Werder Bremen) © Doreen Nabwire Omondi
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Nachhaltigkeit im Fußball Redakteurin Susanne Blech im Interview mit der Fußball-Nationalspielerin Doreen Nabwire Omondi. Die Kenianerin ist FIFA-Botschafterin “Football for Hope” und stand als erste afrikanische Spielerin bei deutschen Proficlubs unter Vertrag. Neben ihrer erfolgreichen Karriere als Fußballerin und ihrer Tätigkeit als Trainerin engagiert sich Doreen Nabwire Omondi in zahlreichen sozialen Projekten in Kenia und Deutschland. Sie bringt Mädchen und Jungen nicht nur Fußball bei, sondern bereitet die Kinder aufs Leben vor.


Nachhaltigkeit im Fußball (NIF): Frau Nabwire, Sie sind die erste afrikanische Spielerin im deutschen Frauenfußball und standen neben dem niederländischen Erstligisten FC Zwolle bei den deutschen Proficlubs Werder Bremen und 1. FC Köln unter Vertrag. Ihren Erfolg haben Sie sich hart erkämpft. Woher stammt Ihre Leidenschaft für Fußball?

Doreen Nabwire Omondi: Ich bin das Dritte von sechs Kindern und als ich Fußball zu spielen begann, kickten meine zwei älteren Brüder bereits in lokalen Fußballteams. Auch mein Vater spielte, als er noch jünger war. Später engagierte er sich als Manager eines lokalen Fußballteams von General Motors, wo er als Mechaniker arbeitete. Als ich noch klein war, schauten wir so manches Spiel gemeinsam an, wie den Africa Cup of Nations, lokalen Fußball oder auch die Weltmeisterschaft.

Das Leben in Mathare war aufgrund der großen Armut alles andere als einfach. Wer in einer der Slumgegenden Nairobi’s lebt, wird unweigerlich ins Elend hineingeboren und da es hier für die Kinder niemanden gibt der sie unterstützen kann, schmieden sie ihre Zukunftspläne vergeblich. Während die Eltern damit beschäftigt waren, über die Runden zu kommen, sind andere dem Alkohol verfallen. Oft wurden sie, getrieben von dem Wunsch Niedergeschlagenheit, Krankheit, Hunger und Arbeitslosigkeit zu entfliehen, rückfällig. Das war das Leben, so wie wir es als Kinder kannten. Erst wenn man älter wird, bekommt man den Druck der Realität zu spüren.

Die “gute” Seite daran war, dass wir Kinder diesen Druck damals nicht wahrgenommen haben. Alles was wir kannten war der Hunger und das Spiel. Manchmal hatten wir zwar leere Bäuche, aber auf den Straßen tummelten sich die Kinder in Scharen, um zu kicken. Oft spielte ich zusammen mit einem guten Freund bei den Jungs und meine Liebe zum Fußball wurde von Tag zu Tag stärker.

NIF: Mit zehn Jahren schlossen Sie sich dem heute größten Fußballprojekt Afrika’s an, der Mathare Youth Sports Association. Als Jugendliche engagierten Sie sich für den Verein als Teamleiterin für Aids-Prävention. Wie hat diese Zeit Ihr Leben geprägt?

Doreen Nabwire Omondi: Die Mathare Youth Sports Association ist in Nairobi in 16 Zonen tätig und in jeder dieser Zonen gibt es mehrere Mädchen- und Jungen-Mannschaften. Einer der Trainer in Mathare entdeckte mich in den Straßen als ich mit den Jungs spielte und stellte mich einer Mädchenmannschaft vor, die als “North Villas” bekannt war. Diese Mädchen waren mit durchschnittlich 14 Jahren etwas älter als ich, aber ich fügte mich gut ein und entwickelte mich zu einer aktiven und einflussreichen Spielerin der Organisation.

Das gab mir bald die Möglichkeit MYSA auf verschiedenen Veranstaltungen und Turnieren zu vertreten. Gleichermaßen engagiert war ich im HIV/Aids-Projekt des Vereins. Dieses Projekt bot eine großartige Plattform, um zum einen grundlegende Alltagsfähigkeiten zu erlernen und sich zum anderen mit Problemen und deren Lösungswegen auseinanderzusetzen, die junge Menschen und ihr Umfeld betreffen. Mit der Zeit wurde ich zu einer Persönlichkeit, an der sich junge Mädchen und Jungen ein Vorbild nahmen.

NIF: Sie berichten kritisch über die aktuelle Situation in der sich viele Nationalspielerinnen Kenia’s befinden. Welche Entwicklungen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Sie Ihre Fußballzukunft nicht in Ihrer Heimat sehen?

Doreen Nabwire Omondi: Das Potenzial im kenianischen Frauen-Fußball ist groß, aber der Verband tut absolut nichts dafür den Fortbestand der Turniere zu sichern. Die FIFA fördert die Entwicklung des Frauenfußballs und verpflichtet sich, diesen finanziell zu unterstützen sowie Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Funktionärinnen die Möglichkeiten zu bieten, im Fußball zu arbeiten. Die FIFA trägt ferner mit Öffentlichkeitsarbeit und Informationskampagnen zur Popularität von Frauen-Fußball bei. Mit dem Ziel, das Ansehen von Frauen in der Gesellschaft zu verbessern, werden damit soziale und kulturelle Widerstände überwunden.

Nichtsdestotrotz bleibt der kenianische Frauen-Fußball ein täglicher Überlebenskampf für die Spielerinnen und die jungen Stars, die danach streben mit dem Sport ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich damit auf ihre Art und Weise identifizieren. Zahlreiche Organisationen und Hochschulen halten durch den Fußball Kontakt zu den jungen Mädchen, aber sie verlieren diesen wieder, sobald die Mädchen mit 18 Jahren die Schule verlassen.

Vor dem Hintergrund, dass keine Strukturen vorhanden sind, dass es keine konsequent durchgeführten Liga-Turniere und ernsthaften Bestrebungen gibt, den Frauen-Fußball zu retten, mussten bereits einige Spielerinnen die Mannschaft verlassen. Die Mittellosigkeit zwingt sie in frühe Ehen, in die Prostitution oder Kriminalität. Einige werden sich hoffnungslos selbst überlassen, andere hoffen immer noch auf den Tag, an dem sich all die Mühen bezahlt machen.

NIF: Wann nahm die Idee für die Bundesliga zu spielen konkrete Formen an und ist Ihnen der Schritt damals leicht gefallen?

Doreen Nabwire Omondi: Ich bin eine gute Spielerin, der andere gerne beim Spiel zusehen. Mein größter Traum war es, im Profi-Fußball irgendwo in Europa oder den USA zu spielen. Dieser Traum wurde geboren durch das Leben das ich im Slum geführt habe, durch den Wunsch der Armut zu entkommen und meine Familie dabei zu unterstützen einen Weg aus dem Slum zu finden. Das war keineswegs einfach. Ich versuchte mehrfach in die USA zu gehen, aber das VISA wurde abgelehnt.

Während der Straßenfußball-Weltmeisterschaft 2006 in Berlin lernte ich den Dokumentarfilmer Herbert Ostwald kennen und durch ihn kam ich wiederum in Kontakt mit Menschen, die mir halfen meinen Traum, in Europa zu spielen, wahr werden zu lassen. Unter anderem lernte ich Willi Lemke kennen, der es mir ermöglichte, für Werder Bremen zu spielen. In Bremen hatte ich eine großartige Saison, die mir immer in sehr guter Erinnerungen bleiben wird. In der darauffolgenden Saison spielte ich beim niederländischen Erstligisten FC Zwolle und erlangte dort gleichzeitig die Lizenz für den UEFA Trainer.

Über Herbert Ostwald bekam ich auch die Möglichkeit für den 1. FC Köln zu spielen. Leider lief es für mich bei diesem Club als Spielerin nicht so gut. Ich kam spät in der Saison dazu und brauchte eine gewisse Zeit, bis ich ins Spiel fand. Und in dem Moment als alles begann gut zu laufen, riss ich mir die Achillessehne. Diese Verletzung hält mich nun schon seit acht Monaten davon ab zu spielen. Ich habe auch einen kleinen Sohn, den ich für die Zeit in Europa in der Obhut meiner Mutter zurücklassen musste. Die Trennung fiel mir sehr schwer.

NIF: Welche Stationen haben Sie in Deutschland durchlaufen und wie wurden Sie aufgenommen?

Doreen Nabwire Omondi: Nun… Deutschland ist durchaus für Rassismus und Diskriminierung bekannt, aber ich halte das für eine weltweites Problem. So stand und steht mein Land Kenia auch heute noch vor ernsthaften Problemen, die auf politisch motivierte Stammes-Diskriminierung zurückzuführen sind.

Ich persönlich habe während meiner Aufenthalte in Bremen und Köln keine Form von Rassismus erlebt. Was mir jedoch auffiel ist, dass die Deutschen im Umgang etwas kühler sind, verglichen mit der freundlichen Art der Kenianer. Es erschien mir fremd, in einer Wohnung zu leben, mit Nachbarn, die nicht miteinander reden. In Kenia sind wir viel offener und pflegen den guten Kontakt zu einander. Die Art wie die Häuser gebaut sind bestärkt diese Form von Zusammengehörigkeit natürlich.

In den deutschen Teams wurde ich gut aufgenommen. Mit fünf Mal Training in der Woche, Studien und oder Jobs war es allerdings eine Herausforderung auch ausserhalb des Trainings soziale Kontakte mit den anderen Spielerinnen aufzubauen. Dadurch habe ich mich, so weit weg von den mir nahestehenden Personen, manchmal einsam gefühlt.

NIF: Ihre Verträge bei den deutschen Proficlubs wurden nicht verlängert, obwohl Sie sich als talentierte und erfolgreiche Spielerin etablieren konnten. Warum bestand für Sie nicht die Möglichkeit einen Profivertrag zu unterzeichnen?

Doreen Nabwire Omondi: Es war und ist seit jeher mein Traum professionell zu spielen. Aber diesen Traum konnte ich nur ansatzweise umsetzen, da ich in Deutschland als Fußballerin nie Geld verdient habe. Für afrikanische Spielerinnen ist es äusserst schwierig die Gelegenheit zu bekommen in der Bundesliga zu spielen. Das Problem besteht unter anderem darin, dass das Gehalt im Frauen-Fußball so gering ist und sich dadurch der Prozess mit dem Ausländeramt recht kompliziert gestaltet. Das Gesetz besagt, dass man ein VISA nur dann erhält, wenn der Club ein monatliches Gehalt von mehr als 2800 Euro zahlt. Da viele Spielerinnen kaum mehr als ein Taschengeld erhalten, erweckt das den Eindruck, es handle sich lediglich um ein vergütetes Hobby. Und das ist für ein VISA eben nicht ausreichend. In Kenia denken die Leute ich sei sehr reich, da ich die erste Kenianerin bin die professionell Fußball spielt. Aber die Wahrheit ist davon weit entfernt.

NIF: Frauenfußball wird in Deutschland zwar immer populärer, aber dennoch müssen die Spielerinnen neben ihrer sportlichen Karriere einem regulären Beruf nachgehen und stehen unter einer Doppelbelastung. Viele Nationalspielerinnen verdingen sich daher als Sportsoldatinnen. Welche beruflichen Perspektiven boten sich Ihnen in Deutschland neben der sportlichen Karriere?

Doreen Nabwire Omondi: Das ist wirklich ein Jammer! Obwohl Deutschland Weltmeister ist, können die Frauen im Fußball nicht auf das Spiel als Haupteinnahmequelle setzen, so wie es bei den Männern der Fall ist. Aufgewachsen in einem Slum von Nairobi, hatte ich selbst nie die Privilegien wie sie Kinder in Deutschland haben. Mein Engagement im Fußball und die damit verbundenen Tätigkeiten gaben mir allerdings die Möglichkeit mit verschiedenen Organisationen im Bereich Sport für sozialen Wandel und Entwicklung zusammen zu arbeiten. Als Trainer leite ich erfolgreich Kurse, Trainings und Camps zum Thema Sport bzw. Fußball für Entwicklung. In Bremen war ich daher im Rahmen eines Praktikums in das soziale Engagement des Clubs involviert. Als Praktikantin habe ich auch beim DJK Sportverband in Köln und der RheinFlanke GmbH mitarbeiten dürfen. Bei einigen Clubs des DJK Sportverbands habe ich mich darüber hinaus als Gasttrainer eingebracht und Trainings übernommen.

NIF: Im Jahr 2007 wurden Sie als FIFA-Botschafterin “Football for Hope” zur Auslosung der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Durban eingeladen. Den Auftritt nutzten Sie als gerade einmal Zwanzigjährige für einen kurzen Vortrag über die Bedeutung von sozialer Arbeit durch Fußball. Seitdem haben Sie auch an zahlreichen Sozialprojekten der Profifußball-Clubs in Deutschland mitgearbeitet. Welchen Eindruck haben Sie durch diese Einblicke gewonnen?

Doreen Nabwire Omondi: Es war großartig für “Football for Hope” tätig gewesen zu sein und den Sport Fußball zu nutzen um verschiedenste Ziele in Schulen und Gemeinden zu erreichen. Selbstverständlich sind die Herausforderungen in Deutschland ganz andere als bei uns hier. Nichtsdestotrotz war es immer ein anregender Austausch und eine nachhaltige Lernerfahrung auf beiden Seiten. Sport im Allgemeinen ist ein kraftvolles Mittel um Menschen aus aller Welt miteinander zu verbinden. Sport kann Gräben überwinden die sich durch Gesellschaften ziehen und ist damit ein gutes Mittel um Konfliktprävention und Friedensaktivitäten zu unterstützen. Gleichermaßen auf der symbolischen, globalen Ebene, wie in der unmittelbaren Arbeit mit den Menschen vor Ort. Wenn sie effektiv betrieben werden, können Sportprogramme soziale Integration und Toleranz fördern, Spannungen werden abgebaut und der Dialog gefördert. Es drängt sich förmlich auf, die Macht des Sports als Mittel und Weg für Förderung und Kommunikation zu nutzen.

Der Fußball hat mich zu dem gemacht was ich heute bin. Ich habe mich behaupten können, habe unterschiedlichste Kontakte geknüpft, habe meinen Weg aus dem Slum gefunden und stelle heute für viele junge Spielerinnen ein Symbol der Hoffnung dar, es im Leben zu etwas bringen zu können.

NIF: Während Sie in den Niederlanden beim Erstligisten FC Zwolle unter Vertrag standen, haben Sie parallel die UEFA-C-Trainerlizenz erworben und in Nairobi das soziale Sportprojekt “Girls!unlimited” gegründet. Worum geht es Ihnen bei diesem Projekt und mit wem arbeiten Sie für die Finanzierung und Umsetzung zusammen?

Doreen Nabwire Omondi: Girls! unlimited” ist ein soziales Sportprojekt von jungen Frauen für Mädchen. Wir setzen uns für die Jugendlichen in den Slums von Nairobi ein, indem wir sie schulen und trainieren. Wir greifen auf den Sport und unsere Lebenserfahrung zurück, um die Jugendlichen gleichwohl welchen Geschlechts und unabhängig von körperlicher wie geistiger Verfassung zu stärken und zu fördern. Dabei legen wir besonderen Wert auf die physische und psychische Entwicklung sowie das Verhalten der Jugendlichen. In dem wir Optionen aufzeigen, wie sich die Jugendlichen ihren Lebensunterhalt verdienen können, ermöglichen wir es ihnen sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Letztendlich sprechen wir die tatsächlichen Probleme an und bieten ein Forum für konkrete Lösungen.

Die achtzehn ehrenamtlichen Gemeinde- und Einzelbetreuerinnen organisieren Bildungsforen, Schulen und Aufklärungsarbeit innerhalb der Gemeinde. Alle Mitglieder von Girls Unlimited sind Fußballerinnen mit lokaler, regionaler oder internationaler Erfahrung, die sie im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen und Fußball-Turnieren erlangt haben. Jedes Mitglied ist ausgebildeter “Peer Educator” und Jugendtrainer. Einige sind zudem “Peer Counselors”. Alle sind gleichermaßen verantwortlich für Planung, Durchführung und Evaluation der Aktivitäten.

Die Mitglieder von Girls Unlimited können auf unterschiedliche Art und Weise von und durch den Sport profitieren. Das verleiht ihrem Leben Antrieb, Sinn und Motivation und sie verinnerlichen die Werte des Teamsports. Das hat natürlich entsprechende Auswirkungen auf die breitere Bevölkerung in den Slumgegenden von Nairobi und den angrenzenden Städten. Für diese Aktivitäten suchen wir derzeit noch Sponsoren.

NIF: Beim 1FC Köln waren Sie während der Saison 2013/2014 als Verstärkung verpflichtet worden, rissen sich in der Rückrunde allerdings die Achillessehne. Welche Unterstützung konnte Ihnen der Verein bieten und welche Konsequenzen hat die Verletzung für Sie?

Doreen Nabwire Omondi: Nun… das war die härteste Zeit in meinem Leben, wenn man bedenkt, dass ich meine Familie nicht um mich hatte. Es war die erste größere Verletzung in meiner Karriere als Fußballerin und ich hatte mit so etwas überhaupt nicht gerechnet. Das Timing war katastrophal und zunächst sah es so aus, als ob ich durch den Club keinerlei Unterstützung erhalten würde.

Ich war völlig überrascht, dass ich gar nicht über den Club versichert war. Zwar erhielt ich die notwendige medizinische Versorgung, aber die Situation mit der Versicherung wurde sehr kompliziert und undurchsichtig. Weitere Untersuchungen und Rehabilitationsmaßnahmen blieben mir verwehrt. Kurz vor meinem Rückflug nach Kenia konnte die Situation noch geklärt werden und ich erhielt zumindest die Rehabilitation. Bis jetzt habe ich mich nicht von dem Unfall erholt und von Zeit zu Zeit habe ich immer noch Schmerzen. Obwohl ich mit einem guten Physiotherapeuten hier in Kenia zusammen arbeite.

Ich bin erst 27 Jahre alt und bin davon überzeugt, dass ich immer noch auf einem höheren Niveau spielen kann. Aber manchmal fühlt es sich wie das Ende meiner Karriere an, da es hier keine Liga gibt.

NIF: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?

Doreen Nabwire Omondi: Ich baue derzeit eine Fußball-Akademie für Mädchen auf. Ich möchte die Mädchen anleiten, bestärken und ihnen die Möglichkeit bieten sich zu zeigen und ihre Talente unter Beweis zu stellen. Ich möchte die jungen Frauen zum einen für grundlegende Lebenskompetenzen sensibilisieren, zum anderen möchte ich ihr Verantwortungsbewusstsein schulen, um sie für die Herausforderungen zu wappnen, die sie als Erwachsene in den von Armut und Kriminalität gezeichneten Gegenden Nairobis werden bewältigen müssen.

Das Interview mit Doreen Nabwire Omondi führte Susanne Blech, Redakteurin und Nachhaltigkeitsexpertin bei Nachhaltigkeit im Fußball.


© Doreen Nabwire Omondi

Die kenianische Fußball-Nationalspielerin Doreen Nabwire Omondi bringt Mädchen und Jungen nicht nur Fußball bei, sondern bereitet die Kinder aufs Leben vor.

Über Doreen Nabwire Omondi

Die aus Nairobi stammende Fußballerin (Jahrgang 1987) kickt seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr erfolgreich für die Frauen-Nationalmannschaft Kenias. Aufgewachsen im Slum, hat sich die Kenianerin ihren beruflichen Lebensweg hart erkämpft und gilt heute vielen Kindern als Vorbild. Doreen Nabwire Omondi, genannt Dodo, spielt bereits mit zehn Jahren in dem Fußballclub “Mathare Youth Sports Association” und engagiert sich innerhalb der Organisation früh als Trainerin und Teamleiterin für Aids-Prävention.

Im Jahr 2001 debütiert sie in der kenianischen Jugendnationalmannschaft bei einem Freundschaftsspiel gegen Äthiopien und wird später Mannschaftskapitän. Mit ihrem Team von MYSA gewinnt die talentierte Fußballerin 2006 die Straßenfußball-Weltmeisterschaft in Berlin und wird im darauffolgenden Jahr FIFA-Botschafterin “Football for Hope”. Sie gründet das soziale Sportprojekt Girls Unlimited und arbeitet zwischen 2006-2008 als Jugendtrainerin an der Deutschen Schule Nairobi. Im Jahr 2009 steht Doreen Nabwire Omondi als erste afrikanische Fußballerin bei Werder Bremen unter Vertrag. Darauf folgen Engagements beim niederländischen Erstligisten FC Zwolle und beim 1.FC Köln.

Das internationale Fußballfilmfestival 11 mm in Berlin zeigt 2009 mit “Zwischen Wellblech und Weltbühne” einen Filmbeitrag von Herbert Ostwald über das Leben von Doreen Nabwire Omondi. Mit dem Journalisten Herbert Ostwald, der selbst einige Jahre in Nairobi lebte, bringt sie anschließend ein Buch über ihr bewegtes Leben und ihren ungewöhnlichen Werdegang heraus.

Doreen Nabwire Omondi ist lizensierte UEFA Trainerin und baut, neben ihrer Initiative Girls Unlimited, in Nairobi eine Fußball-Akademie für Mädchen auf.

 

Weiterführende Links zu Doreen Nabwire Omondi

 Buchveröffentlichungen von Doreen Nabwire Omondi

Traumpass: Mein Weg aus den Slums von Nairobi auf die Fußballplätze EuropasGemeinsam mit dem Journalisten Herbert Ostwald erzählt Doreen Nabwire Omondi in ihrer 2011 erschienenen Autobiografie vom Leben in Armut, von Bürgerkrieg und Stammesdünkel, von Frauen und ihren Rollen, von der Geburt ihres Sohnes und wie sie es geschafft hat, eine gefragte Fußballerin in Europa zu werden. Das Buch über ihr Leben: Traumpass: Mein Weg aus den Slums von Nairobi auf die Fußballplätze Europas.