Ökostrom und Fußballfans – eine innovative Verbindung
Ralph Kampwirth, Leiter Unternehmenskommunikation bei LichtBlick © Sabina Paries
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Nachhaltigkeit im Fußball Redakteurin Susanne Blech im Interview mit Ralph Kampwirth, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation bei dem Hamburger Ökostrom-Anbieter LichtBlick.


Nachhaltigkeit im Fußball (NIF): Herr Kampwirth, LichtBlick ist Marktführer für Ökostrom in Deutschland und wurde für das Projekt Strom09 zusammen mit dem BVB mit dem renommierten GreenTec Award 2014 ausgezeichnet. Wie lässt sich mit einer Ökostrom-Kampagne der GreenTec Award in der Kategorie Kommunikation gewinnen?

Ralph Kampwirth: Wir haben gemeinsam mit dem BVB eine ungewöhnliche, an der Welt des BVB-Fans orientierte Online- und Offline-Kommunikation mit einem klaren Klimaschutz-Ziel und tollen Maßnahmen wie einer Klimaliga der Fanclubs entwickelt. So eine lebendige Kommunikation ist gerade im eher spröden Energiemarkt Neuland.

Fußballfans und Ökostrom – das ist ja nicht unbedingt eine natürliche Verbindung. Aber wir zeigen, dass das prima zusammengeht. Der Jury hat das offensichtlich gefallen – wie übrigens auch den Fans.

NIF: Was gab den Anstoß für die Kooperationen mit dem BVB und dem FC St. Pauli für die Versorgung der Stadien mit Ökostrom und die beiden Fan-Tarife Strom09 und KiezStrom?

Ralph Kampwirth: LichtBlick findet seit jeher innovative Wege im Stromvertrieb. Im Fußball haben wir den Anfang mit dem BVB gemacht. Da gab es bereits Kontakte. Der BVB hat erkannt, dass er sich als großer Fußballverein um Klimaschutz kümmern muss. So kamen wir ins Gespräch. Die Chemie stimmte von vornherein.

Beim FC St. Pauli könnte man ja auch zu der Frage kommen, warum wir nicht schon nicht eher zusammen gearbeitet haben. Denn das Millerntorstadion liegt nur einen Steinwurf von unserer Zentrale entfernt, aus meinem Bürofenster kann ich sogar die Flutlichtmasten sehen. Der Club und LichtBlick – wir sind ja beide vom Kiez. Auch da stimmte die Chemie gleich.

Leidenschaft für die Sache, Beweglichkeit, frische Ideen – da gibt es viel Übereinstimmung zwischen diesen beiden tollen Clubs und LichtBlick.

NIF: Welche Fan-Extras bieten die beiden Tarife und was macht den Wechsel zu LichtBlick darüber hinaus für den Fußball-Fan interessant?

Ralph Kampwirth: Wir haben uns wirklich viel einfallen lassen für Strom09 und Kiezstrom. Es gibt zum Beispiel Frei-Kilowattstunden für geschossene Tore oder gewonnene Punkte. Oder tolle Begrüßungsgeschenke, mal ein Vereinstrikot oder eine Kiezstrom-Tasche. Wir denken uns da immer wieder neue Aktionen aus.

NIF: Parallel zur Bundesliga-Saison 2014/15 hat der BVB die KlimaLiga ausgerufen. Worum geht es dabei?

Ralph Kampwirth: Das ist ein Wettbewerb für die Fanclubs. Der Fanclub, der am Ende der Saison am meisten für den Klimaschutz getan, also weitere Fans zum Wechsel zu Strom09 motiviert hat, gewinnt die Klimaliga und wird „Grüner Meister“. Man muss aber nicht Erster werden, um zu gewinnen. Denn für jeden Wechsler gibt es immer gleich 25 Euro in die Clubkasse. Da kommt schnell ein ordentliches Sümmchen zusammen.

NIF: Auf welche Resonanz sind Sie mit den Ökostromtarifen bei den Fußball-Fans gestoßen?

Ralph Kampwirth: Wir sind sehr zufrieden. Zuerst geht es ja darum, die Produkte – Kiezstrom und Strom09 – bei den Fans bekannt zu machen. Und dann kommt der Wechsel. So konnten wie schon mehrere tausend Neukunden gewinnen.

NIF: Kann das Betreiben der Stadien mit erneuerbaren Energien Ihrer Einschätzung nach das Identifikationskonzept eines Clubs verändern?

Ralph Kampwirth: Die Fans wollen natürlich vor allem eines: Siege ihrer Teams. Aber natürlich hat das eine Ausstrahlung, wenn ein Club Verantwortung für die Umwelt übernimmt. Genau deshalb arbeiten St. Pauli und der BVB ja mit uns zusammen. Wir profitieren vom Super-Image der Clubs, und die Clubs haben sich mit LichtBlick die stärkste und glaubwürdigste Energie-Marke in Deutschland ins Boot geholt. Eine echte Win-Win-Situation.

NIF: Dem DFB Umweltreport zufolge messen 80% der Clubs in der ersten und zweiten Bundesliga dem Umweltschutz eine große Bedeutung bei. Im Zuge der Green Goal Kampagne wurden die Austragungsorte der FIFA Frauen-WM 2011 zu Ökoprofitstadien umgebaut. Welche Stadien werden bereits mit Ökostrom versorgt und steht LichtBlick mit weiteren Stadionbetreibern in Kontakt?

Ralph Kampwirth: Einen Überblick über alle Ligavereine haben wir leider nicht. Konkrete Verhandlungen über die Versorgung weiterer Stadien führen wir derzeit nicht.

NIF: In welcher Größenordnung liegt der durchschnittliche Energiebedarf eines Fußball-Stadions und wie viel Tonnen CO2 können eingespart werden, wenn der Betrieb auf Ökostrom umgestellt wird?

Ralph Kampwirth: Allein der BVB spart pro Saison mit unserem Ökostrom für Stadion, Trainingsgelände und Geschäftsstelle rund 3.500 Tonnen CO2 ein. Das ist schon eine Hausnummer. Hinzu kommen die vielen Fans, die zu Strom09 wechseln. Bisher haben wir so schon 7.500 Tonnen CO2 vermieden. Ziel sind 25.000 Tonnen. Der Verein hat einen jährlichen Stromverbrauch von ca. 7 Mio. Kilowattstunden.

NIF: Fallen für die Stadionbetreiber bei einem Wechsel Mehrkosten an?

Ralph Kampwirth: Nein, Ökostrom ist meist nicht teurer als Kohle- oder Atomstrom. Oftmals zahlt sich ein Anbieterwechsel sogar finanziell aus. Dank eines klugen Stromeinkaufs können wir für Unternehmen von der Größe eines Bundesligaclubs sehr attraktive Konditionen anbieten.

NIF: Knapp 70% der im Sport werbenden Unternehmen geben an, dass sich Fußball sehr gut für Sponsoring-Aktivitäten eignet. Der Werbeeffekt ist um so größer, je glaubwürdiger Werte wie Team- und Wettbewerbsgeist, Fairplay, Sportlichkeit und Authentizität in der Werbung transportiert werden können. Wie passt Fußball und Energieversorgung diesbezüglich zusammen?

Ralph Kampwirth: Wie unsere Kampagnen zeigen, gehen Energie und Fußball bestens einher. Die Clubs sind ja Vorbild für ihre Fans, wenn sie Stadion und Geschäftsstelle mit Ökostrom betreiben. Und wir bieten dann gemeinsam die richtigen Ökostrom-Produkte im Branding des Vereins. Das ist schon eine super Verbindung. Da brauchen wir kein künstliches Marketing-Geschwätz, mit denen manchmal völlig unpassende Kooperation „passend“ gemacht werden sollen. Das glaubt ja auch heutzutage keiner mehr, die Fans sind ja nicht blöde. Man muss das schon ernsthaft betreiben, sonst kann man es auch lassen. Bei uns passt die Story von A bis Z. Was anderes würden wir als LichtBlick auch gar nicht machen.

NIF: Über welche Qualifikationen und Kompetenzen müsste Ihrer Meinung nach ein moderner Clubmanager des 21 Jahrhunderts verfügen, um seiner gesellschaftlichen Verantwortung, den ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der Nachhaltigkeit und den Fans gerecht zu werden?

Ralph Kampwirth: Naja, jeder Manager, egal ob Club- oder Unternehmensmanager, muss heute über den Tellerrand gucken, wenn er seinen Job gut machen will. Wer zum Beispiel nur ein bisschen „CSR“ zur Kosmetik der eigenen Umweltbilanz macht, weil das gerade gefragt ist, der lügt sich selbst in die Tasche. Manager haben ja immer auch einen Job in der Gesellschaft, mit Auswirkungen auf die Gesellschaft. Beim BVB und beim FC St. Pauli sind einfach die richtigen Leute am Ruder, die meinen das Ernst mit ihrem Nachhaltigkeits-Engagement – und das merkt man auch.

Das Interview mit Ralph Kampwirth führte Susanne Blech, Redakteurin und Nachhaltigkeitsexpertin bei Nachhaltigkeit im Fußball.


© LichtBlick SE

Der Hamburger Ökostrom-Anbieter LichtBlick

Über Ralph Kampwirth

Ralph Kampwirth (Jahrgang 1968) ist seit April 2009 für die LichtBlick SE tätig und leitet die Bereiche Unternehmenskommunikation und Energiepolitik.

Von 2004 bis 2009 war er Pressesprecher der internationalen Umweltorganisation World Wide Fund for Nature – WWF Deutschland und verantwortete die Kommunikation für nationale und internationale Nachhaltigkeits- und Umweltprojekte. Zuvor widmete sich Ralph Kampwirth dem Aufbau des Verbandes „Mehr Demokratie“, der sich erfolgreich für mehr Bürgerbeteiligung in Deutschland und Europa einsetzt. Er gehörte mehrere Jahre dem Vorstand an und leitete von 1997 bis 2004 die Presse- und Öffentlichkeits- arbeit.

Ralph Kampwirth studierte Politikwissenschaft an den Universitäten Marburg und Bremen und schloss sein Studium als Diplom-Politologe ab. Ralph Kampwirth hat zwei Söhne und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bremen.

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