Die DFB-Frauen in Offenbach – und wir live dabei
Aufstellung der DFB-Frauen gegen Frankreich © Anton Lauer
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Eindrücke der ereignisreichen Partie der DFB-Frauen gegen `Les Bleues´

Ein Bericht von Emmylou Gollnick

Vergangenen Samstag war es endlich so weit. Wir, das Team von „Nachhaltigkeit im Fußball“ (kurz: „NIF“), bestehend aus Pierre, Susanne, Anton und Emmy, machten uns mittags auf den Weg zum Bieberer Berg ins `Sparda Bank Hessen Stadion´, um uns dort die Begegnung zwischen den DFB-Frauen und “Les Bleues“, der französischen Frauen-Fußballnationalmannschaft, anzuschauen.

Eine Premiere in zweierlei Hinsicht. Für die meisten aus unserem Team war dies der erste Besuch eines Länderspiels der DFB-Frauen. Und, dies war der erste `Betriebsausflug´ unserer noch jungen Initiative. Wir haben das große Glück, dass Fußball für uns „NIF“ler Beruf(ung) und Leidenschaft zugleich ist. Deshalb ging es bei unserem Stadionbesuch in erster Linie auch darum, einen kritischen Blick darauf zu werfen, ob und in wie weit der Frauenfußball in Deutschland den Stellenwert besitzt, den er verdient.

Nun ja, da wir für unsere (Länderspiel-)Tickets nur jeweils fünfzehn Euro bezahlt hatten, war das eigentlich schon das erste Indiz dafür, dass es zwischen dem Frauen- und Männerfußball deutliche Unterschiede gibt. Die niedrigen Ticketpreise – die teuerste Karte in der besten Kategorie kam auf € 25,- – sind fast schon absurd, zieht man den Vergleich zu entsprechenden Länderspielkrachern bei den Männern.

5.317 Offenbacher sahen die DFB-Frauen

Aber immerhin schien die Nachfrage nach dem Freundschaftsspiel größer zu sein, als erwartet – zumindest laut des Online-Ticket-Shops war damit zu rechnen, dass etwa zwei Drittel aller Plätze belegt sein würden. Bei unserer Ankunft knapp anderthalb Stunden vor Spielbeginn war der Stadionvorplatz auch schon recht gut gefüllt. Das sollte aber darüber hinwegtäuschen, dass bei Anpfiff doch viele Plätze leergeblieben waren- nur 5.317 Fans hatten den Weg ins Stadion gefunden – reingepasst hätten jedoch fast vier Mal so viele. Vor allem die Stehplatztribüne hatte noch Kapazität für viele weitere Fans übrig – und das, obwohl die Stehplatztickets einige Tage vor dem Spiel für reduziert für € 5,- kräftig beworben worden waren. € 5,- !!! – für manches Kreisligaspiel der Männer zahlt man mehr.

Bedenkt man, dass die DFB-Frauen den Sport mit derselben Professionalität betreiben wie Götze, Hummels, Lahm und Co., könnte man es als diffamierend bezeichnen, dass man für ein Frauen-Länderspiel gegen einen hochklassigen Gegner weniger zahlt als für die Verpflegung im Stadion. So viel zum Thema Stellenwert des (Profi)Frauenfußballs.

DFB-Frauen im Trauerflor für Gero Bisanz

Simone Laudehr bei der Ausführung eines Eckballs der DFB-Frauen

Simone Laudehr bei der Ausführung eines Eckballs der DFB-Frauen © Anton Lauer

Dennoch – oder gerade deswegen: Wir hatten mit unseren Sitzplätzen in Reihe eins einen tollen Blick aufs Spielgeschehen und viel Spaß bei der Unterstützung der DFB-Frauen. In Gedenken an den vor kurzem verstorbenen Frauenfußball-Pionier Gero Bisanz spielten die deutschen Spielerinnen mit Trauerflor und vor dem Spiel gab es eine Schweigeminute zu seinen Ehren. Vielleicht war die Stimmung auch deshalb nach Anpfiff noch etwas verhalten. Leider tat sich der deutsche Fanblock aber während der gesamten Partie etwas schwer damit, Stimmung aufkommen zu lassen. Sprechchöre waren kaum zu hören – und wenn, dann von den zahlenmäßig unterlegenen, aber sehr stimmkräftigen französischen Fans im Stehplatzblock gegenüber. Vielleicht waren es ja auch ihre ausdauernden “Allez, les Bleues“-Rufe, die letztlich den entscheidenden Unterschied ausmachten und den Französinnen schlussendlich den 2:0-Sieg bescherten. Schade, doch trotz der Niederlage war der Stadionbesuch ein tolles Erlebnis für das Team von „NIF“.

DFB-Frauen leben Fan-Nähe

Großes Highlight und unbezahlbar war am Ende die gelebte Fan-Nähe der deutschen Spielerinnen. Nicht nur Autogrammwünsche wurden fleißig erfüllt. Auch ließen es sich die Spielerinnen nicht nehmen, sich per Handschlag bei den Fans zu bedanken. Da erstaunte es auch nicht weiter, dass man plötzlich Welttorhüterin Nadine Angerer mit einem sehr jungen Fußballfan auf dem Arm erblickte, der ihr über die Absperrung gereicht worden war. Auch wegen solcher Aktionen werden wir beim nächsten Spiel bestimmt wieder dabei sein – denn der Frauenfußball verdient mehr Aufmerksamkeit, Zuschauer, Befürworter und Respekt, definitiv.

Fleischlastige Speisekarte beim Spiel der DFB-Frauen gegen Frankreich

Fleischlastige Speisekarte beim Spiel der DFB-Frauen gegen Frankreich © Anton Lauer

Zu guter Letzt noch eine Randnotiz zum Catering. Dass es um gesunde, nachhaltige und tierfreie Verköstigung der Fans in den Stadien nicht gerade gut bestellt ist, ist weitläufig bekannt. Doch die Speisenauswahl am Bieberer Berg in Offenbach gleicht einem Offenbarungseid und ist ein Statement an die Fußball-Romantik alter Tage: „Echte Fußball-Fans essen Wurst“. Und dementsprechend liest sich auch die sehr übersichtliche „Speisekarte“. Wurst, Wurst, Wurst in gleich mehreren Varianten. Gebraten, triefend vor Fett. Und zu Preisen nicht für jedermanns Geldbeutel in Offenbach. Liebe Offenbacher Stadionbetreiber – das könnt ihr bestimmt besser.

Weiterführende Links zur Partie der DFB-Frauen gegen `Les Bleues´