Lexikon der Nachhaltigkeit / Gesellschaft & Soziales

Wie die Diskriminierung den Sport kaputt macht.

Unter Diskriminierung versteht man die generelle Abneigung beziehungsweise Benachteiligung sozialer oder ethnischer Gruppen oder einzelner Menschen. Dies geschieht durch einige wenige körperliche oder soziale Eigenschaften der Menschen und tritt vor allem dann auf, wenn die Diskriminierenden Abneigungen gegenüber diesen Eigenschaften haben. Dazu gibt es in den meisten Fällen keinen persönlichen Kontakt oder soziale Bindung zwischen den Opfern von Diskriminierung und jenen, die diskriminierend handeln. Das Wort „Diskriminierung“ hat seinen Ursprung bereits im 16. Jahrhundert und bedeutet so viel wie „trennen“, „unterscheiden“ oder „abgrenzen“. Leider gibt es in unserer heutigen, modernen Welt immer noch viele Bereiche, in denen man auf Diskriminierung oder Ausgrenzung einzelner Gruppen trifft. Allen voran in Deutschlands Nationalsport – dem Fußball.

No to Racism - Anti Rassismus Kampagne der UEFA

No to Racism – Anti Rassismus Kampagne der UEFA © Ivica Drusany / Shutterstock.com

Rassistische Diskriminierung und der Protest dagegen

Besonders der Rassismus spielt im Fußball leider eine nicht zu missachtende Rolle. Immer wieder hört man in den Medien, dass es zu Äußerungen diskriminierender Art von Fußball-Fans gegenüber Fußballern kommt, die durch ihren ethnischen Hintergrund beispielsweise dunkelhäutig sind. Diese Diskriminierung und Ausgrenzung ethnischer Gruppen kann man übrigens nicht nur in den Profi-Fußball-Klassen in Deutschland entdecken, gerade auch in unteren Ligen hört man immer wieder von rassistischen Äußerungen unter Fußballfans oder -spielern. Aber warum ist das so? Warum haben der Rassismus und die Diskriminierung eine so gewaltige Präsenz im Fußball und nicht in anderen Sportarten, wie beispielsweise im Handball oder im Tischtennis? Es liegt schlicht und einfach an der Medienpräsenz des Sportes. Der Fußball ist weit verbreitet und in den meisten Ländern dieser Erde, auch in Deutschland, sogar Nationalsport. Immerhin gibt es in Deutschland ganze Fernsehsendungen, die sich mit nichts anderem beschäftigen. Hinzu kommen unzählige Zeitschriften, die sich hauptsächlich den Fußball thematisieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass rechte Parteien oder Gruppierungen diese Medienpräsenz als politische Bühne für ihre rassistische Diskriminierung verwenden. Dem entgegenzuwirken, ist unabdingbar. Dies geschieht zum einen durch Aktionen der Fußball-Verbände, wie zum Beispiel durch die UEFA-Kampagne „SAY NO TO RACISM“, bei der auch einige Fußballer aus Deutschland mitwirken. Aber auch der Protest durch einige Fußballer selber ist notwendig. Ein Beispiel ist der in Deutschland geborene, aber aus Ghana stammende Fußballspieler „Kevin-Prince Boateng“, der als Spieler beim italienischen Club AC Mailand im Januar 2013 nach anhaltenden rassistischen Äußerungen inmitten eines Fußballsspiels den Platz verließ. Das Spiel wurde abgebrochen, als alle anderen Spieler in Gruppen ebenfalls vom Platz gingen. Eine andere, denkwürdige Aktion führte Dani Alves vom FC Barcelona durch, als dieser während eines Spiels in der Saison 2013/14 gegen den FC Villarreal eine Banane aß, die kurz zuvor aus rassistischen Motiven auf das Spielfeld geworfen worden war. Nach dem Spiel meldete sich Alves über die sozialen Medien zu Wort und bedankte sich bei den gegnerischen Fans dafür, dass sie ihm mit der Banane weitere Energie gegeben hätten. Die PR-Aktion, die eigentlich der brasilianische Nationalspieler „Neymar“ statffinden lassen sollte, stieß bei vielen Menschen und Medien auf ein erhebliches Gehör und war so ein voller Erfolg für den Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus. Aber auch in Deutschland gab es bereits Fußballspiele, die durch rassistische Vorfälle geprägt wurden. Zum Beispiel wurde im Jahr 2006 Gerald Asamoah, der damals immerhin für Deutschland in der Nationalmannschaft spielte, Opfer rassistischer Sprechchöre, nachdem er das damalige 0:2 gegen die zweite Mannschaft von Hansa Rostock erzielt hatte.

Die Diskriminierung behinderter Menschen

Nicht nur der Rassismus ist ein weit verbreitetes Phänomen im Fußball. Auch die Diskriminierung von Fans mit Behinderung ist ein anhaltendes Problem. Jüngstes Beispiel ist das Viertelfinal-Hinspiel in der UEFA Champions League der Saison 2013/14, als Gruppen des damaligen französischen Meisters Paris Saint-Germain körperlich behinderte Fans des FC Chelsea mit Sprachgesängen beschimpften und sie mit Flaschen bewarfen. PSG wurde daraufhin im Juli 2014 von der UEFA zu einer Teilschließung einiger Fan-Blöcke gezwungen. Diese Strafe wurde dann aber im September zu einer Geldstrafe über 50.000 Euro und der Forderung nach einem behindertengerechten Ausbau des Pariser Stadions umgewandelt. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Vorfälle mit dem Hintergrund der Diskriminierung Behinderter. So wurde Anfang des Jahres 2014 bekannt, dass der DFB-Chefausbilder und Leiter der Fußballlehrerausbildung Frank Wormuth einen Teilnehmer mit einer körperlichen Behinderung beleidigte.

Was bleibt am Ende zu sagen? Die Diskriminierung beziehungsweise Ausgrenzung einzelner ethnischer Gruppen wird noch lange ein Problem im Sport, besonders im Fußball, darstellen –  sowohl in Deutschland als auch global. Die Aktionen der Fußballverbände und die Etablierung und Unterstützung von Sport-Ligen für behinderte Menschen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, um die Probleme der Diskriminierung und des Rassismus zu eliminieren, allerdings benötigt der Prozess eine erhöhte Aufmerksamkeit und damit weitere Aktionen, um vollends zum Erfolg zu führen. Dabei braucht es couragierte, engagierte Menschen, die Aktionen in die Welt rufen, um auf diese Weise die (mediale) Präsenz von Themen wie Diskriminierung zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist das Aufgreifen einer weiteren Art von Diskriminierung unumgänglich: Die Diskriminierung beziehungsweise Ausgrenzung Homosexueller. Hier hat Thomas Hitzlsperger, ehemaliger Fußball-Nationalspieler Deutschlands, ein Exempel statuiert, als er sich im Januar 2014 als erster ehemaliger Fußballprofi zu seiner Homosexualität bekannte. Insbesondere der Fußball benötigt mehr Menschen wie Hitzlsperger, die den Mut und die Offenheit aufbringen, Tabu-Themen an die Öffentlichkeit zu bringen. Denn erst, wenn Diskriminierung und Rassismus keine Tabu-Themen mehr sind, wird es möglich sein, sie endgültig aus der Gesellschaft zu verbannen.

Weiterführende Links zum Thema Diskriminierung im Fußball: