Lexikon der Nachhaltigkeit / Gesellschaft & Soziales

Inklusion – Realität oder Wunschdenken?

Inklusion ist lateinisch und bedeutet Einbeziehung. Dabei geht es um Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen, also Gleichberechtigung von Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft wie Schule, Bildung und Fußball. Behinderte Menschen werden genau so akzeptiert wie sie sind, wobei ihnen Möglichkeiten geschaffen werden, die sie dazu befähigen, allumfassend die Teilhabe an der Gesellschaft zu leben. Einzige Norm ist die Vielfalt und Individualität eines jeden Menschen, in der sich jeder Einzelne nach seinen jeweiligen Begabungen in der Gesellschaft entfalten können soll. Im Unterschied zur Integration, die Minderheiten akzeptiert, wenn sie sich an die bestehende Gesellschaft anpassen, werden bei der Inklusion andersartige Menschen als Bereicherung für die Gesellschaft in Schule, Bildung und Sport integriert, können sich so ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend voll entfalten und damit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft erbringen. Bildung und Umsetzung eines derartigen Konzepts ist jedoch nicht einfach.

Schon in Schule und Bildung den Menschen Inklusion und Integration nahebringen

Ende 2006 wurde die EU-Behindertenrechtskonvention verabschiedet, die sich für Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderung in Schule, Bildung und Gesellschaft einsetzt ebenso wie für barrierefreie Teilhabe von Menschen an Schule und Bildung und deren Umsetzung in allen bisher beteiligten 153 Ländern, inklusive Deutschland. Hier wurde im Sommer 2011 ein 10-Jahres-Plan zur Förderung von Inklusion und Integration für Menschen mit Behinderung vorgestellt. Die Umsetzung indes ist nur langfristig zu schaffen und von allen Gruppen der Gesellschaft zu unterstützen.

Bereits in Schule und Bildung sollte mit Inklusion und Integration behinderter Menschen begonnen werden. Denn gerade in Gruppen junger Menschen sind selten Barrieren in den Köpfen gegenüber Menschen mit Behinderung vorhanden. Eine besonders gelungene Aktion der Inklusion im Fußball sind die sogenannten Einlaufkinder. In England bereits seit Jahren Normalität, macht diese Umsetzung der Teilhabe hierzulande noch nicht lange Schule. Hervorzuheben ist hier der FC St. Pauli. Beim Pokalspiel gegen Borussia Dortmund im Oktober waren zum ersten Mal auch behinderte Kinder dabei.

Mittels Fußball Teilhabe erfahren sowie Inklusion und Integration leben

Wenn es um die Teilhabe von Menschen im Stadion geht, macht Deutschland längst Schule. Beinahe jeder Fußballklub ist barrierefrei zugänglich, hat Rollstuhl- und Sehbehindertenplätze. Doch wie sieht es mit der Umsetzung der Inklusion, Integration und Teilhabe am aktiven Sport aus? Einen Preis für Inklusion erhielten im November 2014 der SC Niederhone mit der Paul-Moor-Schule in Hessen. Schule und Fußballverein ermöglichen behinderten Schülern die Teilhabe am regulären Spielbetrieb. Die Bildung dieser Kooperation sehen alle Beteiligten als Bereicherung. Allerdings erkennen sie auch Hürden und Schwierigkeiten bei Umsetzung und Ausbau von Inklusion. Die Leistungsorientierung steht noch vor Leidenschaft und Spielfreude. Dass Gewinnen nicht alles ist, steht bei Integration und Inklusion im Vordergrund, sollte jedoch in allen Gruppen der Gesellschaft ankommen.

Doch es gibt finanzielle Hürden bei Bildung und Umsetzung guter Ideen und Projekte im Rahmen von Inklusion und Integration. Das mussten jüngst die Behindertenfußballer aus Melsungen erfahren. Zur Fußball-Weltmeisterschaft der Amputierten in Mexiko waren sie auf Spenden angewiesen, da sie kein gemeinnütziger Verein sind und nicht auf finanzielle Unterstützung vonseiten des DFB oder des Deutschen Behindertensportverbands zählen konnten. Kleinen Gruppen fehlt es nicht an Umsetzung ihrer Ideen oder Unterstützung von Menschen in ihrer Umgebung, doch eine Teilhabe an weit entfernten Turnieren bleibt oft ein Traum. Für die Fußballer aus Melsungen wurde dieser mithilfe vieler hilfsbereiter Menschen allerdings Wirklichkeit. Hoffentlich macht dieses Beispiel auch für andere Gruppen Schule.

Inklusion und Integration in Bildung, Sport und Gesellschaft beziehen sich jedoch nicht nur auf behinderte Menschen. Auch andere Gruppen der Gesellschaft wie Senioren, Migranten, Langzeitarbeitslose und Analphabeten sollen Teilhabe an Bildung, Schule und Sport erfahren können. Inklusion und Teilhabe für diese Gruppen scheitern bislang oft an der Umsetzung. In Schule und Bildung werden die Grundlagen für eine inklusionsfreundliche Gesellschaft gelegt, doch bis alle Menschen eine umfassende Teilhabe erfahren, ist Umdenken nötig.

Resümee

Inklusion und Integration in der Gesellschaft, speziell im Fußball, müssen stärkere Umsetzung erfahren. Viele erfolgreiche Initiativen und Projekte zeigen, dass wir Menschen uns der Bedeutung des Themas bewusst sind und auf einem guten Weg befinden, Inklusion und Integration weiter zu fördern. Inklusion bedeutet allerdings nicht, allen Gruppen der Gesellschaft lediglich den Besuch im Stadion zu ermöglichen, sondern Umsetzung und Teilhabe an sämtlichen Betätigungsfeldern in Schule, Bildung und Sport.

Weiterführende Links zum Thema Inklusion im Fußball