Nachhaltigkeit Lexikon – Nachhaltigkeit Definition

Gemäß Duden beschreibt der Begriff Nachhaltigkeit per Definition folgenden Umstand: „Längere Zeit anhaltende Wirkung.“ Und weiter: „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig bereitgestellt werden kann.“ Das ist eine anschauliche Erläuterung. Dennoch drängt sich die Frage auf „Was ist Nachhaltigkeit?“ und, „Ist überall da, wo nach dieser Definition Nachhaltigkeit draufsteht, auch tatsächlich Nachhaltigkeit drin?“

Nicht überall, wo Nachhaltigkeit draufsteht, ist sie tatsächlich drin – auch in der Fußball-Bundesliga nicht.

Prolog – Die Geschichte eines Wortes

Was uns heute wie ein Modewort erscheint, ist eigentlich schon viele hundert Jahre alt und reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Nachhaltigkeit hat also Tradition. Der Begriff Nachhaltigkeit kommt originär aus der Forstwirtschaft und kam dort, per oben beschriebener Definition, so auch zum ersten Mal zum Einsatz. Nachhaltigkeit stand in der Forstwirtschaft nach dieser Definition für das Prinzip, „nach dem nicht mehr Holz gefällt werden durfte, als jeweils nachwachsen konnte.“

Beim Blick in diverse Lexika, ist es jedoch keineswegs so eindeutig, was unter der exakten Definition von Nachhaltigkeit zu verstehen ist – und auch der Fußball benutzt das Wort in vielfältigem Kontext. Dauerhaft, beständig, fortlaufend, wirksam, effektiv, nachdrücklich. Alles Begrifflichkeiten, die Unternehmen und Bundesligisten gerne im Kontext ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit verwenden.

Allgemein wird der Begriff Nachhaltigkeit jedoch vorwiegend als ein Begriff aus der Umweltpolitik verstanden, was auf die Anfänge der umweltpolitischen Diskussionen in den 1980er Jahren zurückzuführen ist. Dort wurde der Begriff im Kontext Umwelt geprägt. Er sollte deutlich machen, dass ökologische Ziele den ökonomischen und sozialen Entwicklungszielen einer Gesellschaft gleichgestellt werden sollten.

Fragt man Fußball-Manager nach ihrer Definition von Nachhaltigkeit, erhält man daher teils sehr außergewöhnliche Antworten. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel, sprach einmal in einem Interview mit der Welt von der „sportlichen Nachhaltigkeit“, warf die Fragen in den Raum, “was Nachhaltigkeit im Fußball denn überhaupt sei” und stellte in diesem Interview unmissverständlich klar, dass im Profifußball ausschließlich der sportliche Erfolg zähle.

Zugegeben, eine recht eigenwillige Interpretation des Begriffes und in der Tragweite seiner Aussage eine recht veraltete unternehmerische Haltung. Letztendlich kann diese als Freibrief für jegliche Handlungen und Entscheidungen missinterpretiert werden, die alles, was dem sportlichen Erfolg dienlich ist, uneingeschränkt rechtfertigt. Soziale Aspekte (interne und externe) sowie den Schutz der Umwelt auf dieselbe Ebene oder gar vor die sportlichen oder wirtschaftlichen Interessen zu stellen, ist gemäß dieser Definition nahezu ausgeschlossen.

Das „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“

Was eine nachhaltige Unternehmensführung und Nachhaltigkeit per Definition ist, wird in der Unternehmenspraxis als auch in der Bundesliga sehr vielfältig und unterschiedlich ausgelegt. Der ursprünglich von der UN geprägte Begriff Nachhaltigkeit wurde später von der Enquete-Kommission des deutschen Bundestages weiter ausgearbeitet. Sie brachte dazu eine dem Zeitgeist entsprechende Definition des Begriffs Nachhaltigkeit in dem „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“ unter, in dem sowohl die ökologischen, ökonomischen als auch sozialen Aspekte des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handelns verankert wurden. Wie dieses „Drei-Säulen-Modell“ im Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens jedoch tatsächlich umgesetzt wird und werden sollte, ist bisher vorwiegend in Leitlinien formuliert. An verbindlichen Regelungen mangelt es.

Grüne Bundesliga – die Öko-Pioniere im Fußball

Daher verwundert es nicht, dass die 36 Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga ihr nachhaltiges Engagement jeweils ganz unterschiedlich ausgestalten. Während sich das Gros der Initiativen und Maßnahmen der Bundesligisten vor allem auf den sozialen und gesellschaftlichen Bereich konzentrieren, wird das Thema Umwelt- und Ökomanagement derzeit (Stand November 2014) nur von einer Hand voll Fußball-Klubs konsequent angegangen.

Einer dieser Klubs ist der VfL Wolfsburg, der in diesem Kontext durchaus als Vorbild dieser Entwicklung hervorzuheben ist. Mit vielfältigen, sehr konkreten und strategisch formulierten Maßnahmen und Initiativen sowie durch die Integration des CSR- und Nachhaltigkeitsmanagements in die Klub-Führung, zählt der VfL Wolfsburg heute zu den Öko-Pionieren der Bundesliga.

Auch der SV Werder Bremen legt ein besonderes Augenmerk auf die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit (auch, wenn die Kooperation mit dem Hauptsponsor, dem Geflügelmastbetrieb Wiesenhof, nicht so recht zum Öko-Image des Bundesligisten passen will – siehe hierzu auch die Greenpreace Öko-Check Tabelle 2014).

Green Business-Sponsoren ziehen sich zurück

Sport- und Fußball-Sportsponsoring ist ein lukratives Geschäft und mit der steigenden Popularität des Fußballs steigen auch die Investments der Sponsoren in die Bundesligisten. Das Nachsehen haben dabei vor allem kleinere Unternehmen mit beschränkten Marketingbudgets und zunehmend auch die wirtschaftlich deutlich eingeschränkte Green Business-Industrie. Vor allem aber die zuletzt wirtschaftlich stark gebeutelte Solar- und Photovoltaikbranche hat diesen Trend zu spüren bekommen. Mischten im Jahr 2011 noch ganze 14 Unternehmen der Solar- und Photovoltaikbranche im Bundesliga-Sponsoring mit, so ist 2014 von dieser Dominanz nicht mehr viel übriggeblieben. 2014 investierten Green Business-Unternehmen wie Q-Cells (BVB Borussia Dortmund), Solarworld (1. FC Köln), B5 Solar GmbH (Hertha BSC Berlin), Shanghai Chaori Solar GmbH (Schalke 04), Hanwha Solarone (HSV Hamburg), Canadian Solar (Hannover 96), Sun Earth Solar Power (SV Werder Bremen), Suntech (TSG 1899 Hoffenheim) und Sunpower (Bayer 04 Leverkusen) sage und schreibe 19 Mio. Euro in die Bundesliga.

Aus dieser „grünen“ Sponsoring-Ära sind inzwischen nur noch wenige Unternehmen übrig geblieben – so zum Beispiel Entega und Coface (beide FSV Mainz 05), WIRSOL (Namensrechteinhaber der Rhein-Neckar Arena / TSG 1899 Hoffenheim) und der chinesische Photovoltaikkonzern Yingli Solar (FC Bayern München).

Grüne Hoffnungsschimmer am Bundesliga Horizont

Auch wenn Sponsoren der Green Business-Industrie von den konventionellen in Sachen Sport-Sponsoring immer weiter zurück gedrängt werden, gibt es auch grüne Hoffnungsschimmer am Horizont.
Zum Beispiel in Sachen umweltbewusstes Stadionmanagement. So sind die Allianz Arena des Rekordmeisters FC Bayern München und das Grundig Stadion des 1. FC Nürnberg bereits heute EMAS-zertifiziert. Die SGL-Arena des FC Augsburg gilt zudem als erstes klimaneutrales Stadion Europas. Diese Stadien haben Vorbildcharakter und sind der Beleg dafür, dass umweltbewusstes Handeln und wirtschaftlicher Erfolg durchaus vereinbar sind.

Ausgezeichnetes Nachhaltigkeitsmanagement

Stichwort Stadionmanagement: Für professionelles Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen gibt es mehrere Möglichkeiten und unterschiedliche Systeme zur Zertifizierung. Die sogenannten „Selbstverpflichtungen zur Einhaltung sozialer und ökologischer Standards“ sind von verschiedenen Stellen entwickelt und initiiert worden. In Deutschland sind das vor allem die bekannten Standards ISO 14001 und das Europäische Zertifikat EMAS (Eco-Management and Audit Scheme).

EMAS gilt derzeit im globalen Vergleich als das anspruchsvollste und umfassendste System. Es steht für freiwilliges Umweltmanagement und eine damit verbundene Umweltbetriebsprüfung. Entwickelt wurde es für Unternehmen, die ihre Umweltleistung kontinuierlich und überprüfbar verbessern wollen.

Im Kontext der „Umfirmierung“ vieler Fußballvereine von der ursprünglichen Vereinsstruktur hin zu professionell geführten Wirtschaftsunternehmen, müssen sich die Bundesligisten demnach auch mit den Anforderungen an ein professionell geführtes Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigen, das keinen Raum für eigene Definition und Interpretation lässt.

Nachhaltigkeit im Kern(Geschäft) des Fußballs verankern

Die Initiative „Nachhaltigkeit im Fußball“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema Nachhaltigkeit in allen seinen Facetten langfristig und unabhängig im Kern(Geschäft) des Fußballs zu verankern. Dazu transportiert die Plattform die relevanten Themen und Handlungsfelder verständlich, partizipativ und auf Augenhöhe und bietet Anknüpfungspunkte, Kooperationsmöglichkeiten und Projekte. Sie bietet Fans, Zuschauern, Spielern, Bundesligavereinen, Verbänden sowie Sportsponsoren und Experten aus Politik und Wirtschaft gleichermaßen den Raum, sich auszutauschen und den Prozess der nachhaltigen Transformation gemeinsam voranzubringen.

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