Spanischer Fußball – Die Zukunft des FC Barça im „freien“ Katalonien
Spanischer Fußball: Auch der FC Barcelona strebt nach Unabhängigkeit © Toni Brugués
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Medienlese vom 25. Oktober 2014

Teil 1: Schwerpunkt-Thema Spanischer Fußball – Der FC Barcelona und das Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens

Der spanische Traditionsverein FC Barcelona ist dem „Nationalpakt für das Selbstbestimmungsrecht Kataloniens” beigetreten und bekräftigte damit sein „Ja“ zum ursprünglich am 9. November 2014 geplanten Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens. Bei diesem Volksentscheid sollten die rund 7,5 Mio. Katalanen über die Abspaltung und die Unabhängigkeit der autonomen Region von Spanien entscheiden. Die Betonung liegt auf `sollte´, denn seit Ende September steht fest, dass das Referendum (vorerst) nicht stattfinden wird. Grund dafür ist die von der spanischen Regierung erklärte und vom höchsten spanischen Gericht bestätigte Verfassungswidrigkeit des Vorhabens.

„Wenn es eine Abstimmung gebe, dann müsse diese vom gesamten spanischen Volk durchgeführt werden“, so das Urteil der Richter. Da half auch die Unterstützung von Seiten der Fußballprominenz nichts. Neben Bayern-Trainer Pep Guardiola, der in einem Online-Spot unter anderem auch auf deutsch für das Recht auf freie Wahlen plädierte, setzt sich zudem der 22-malige spanische Meister aus Katalonien vehement für das Referendum und die Unabhängigkeit Kataloniens ein – und das ungeachtet dessen, dass Spaniens Liga-Präsident Javier Tebas im Falle einer Abspaltung Kataloniens mit dem Ausschluss Barças aus der Primera División droht.

"El Clasico" Copa del Rey ohne den FC Barcelona?

“El Clasico” Copa del Rey in Zukunft ohne den FC Barcelona? © Markus Unger

Der Ministerpräsident Kataloniens, Artur Mas, plant nun, das Referendum in vorgezogene Wahlen zu integrieren, um so einem erneuten „Nein“ des Verfassungsgerichts zu entgehen. Generell tut sich jedoch die Frage nach der Regierbarkeit der mit am höchsten verschuldeten und unter der Wirtschaftskrise besonders stark leidenden Region Spaniens auf. Viele Katalanen sehen die Zentralregierung in Madrid bzw. die innerstaatlichen Transferleistungen als Grund für die hohe Verschuldung der wirtschaftsstarken Region – denn mit einer Nettotransferleistung von bis zu Euro 16 Mrd. jährlich, führen die Katalanen rund 8% des Bruttoinlandprodukts nach Madrid ab.

Das Votum für die Unabhängigkeit Kataloniens könnte sich auch für den FC Barcelona wirtschaftlich und sportlich äußerst negativ auswirken, zumal viele relevante Fragen wie die des Verbleibs des FC Barça in der Primera División derzeit ungeklärt sind. Auch wenn Barça bei einem Ausschluss aus der Primera División sicherlich auch zukünftig als katalonischer Meister weiter an der Champions League oder zumindest am Europäischen Wettbewerb wird teilnehmen dürfen – dem Schuldenabbau des Vereins täte dieser Einschnitt sicherlich nicht gut. Denn trotz eines Rekordumsatzes von Euro 530 Mio. (2013/2014) und dem mit 49 Mio. Euro Gewinn besten Ergebnis in der Vereinsgeschichte plagen den FC Barcelona noch immer rund 287 Mio. Euro Schulden.

Zumindest aus sportlicher Sicht ist die Frage berechtigt, ob sich die Katalanen mit dem Drang nach Unabhängigkeit einen Gefallen tun. Denn der Espanyol Barcelona wäre vom Liga-Ausschluss ebenso betroffen. Die Primera División ohne Barça und Espanyol – kaum vorstellbar. Barça im Duell mit Provinzteams – noch weniger. Der Copa del Rey ohne den historischen „El Clasico“ – ein Verlust. Für die Region. Für Spanien. Und den Fußball.
20minutos.tv, weltfussball.de, welt.de, sueddeutsche.de