Mehr Nachhaltigkeit bedeutet höhere Wettbewerbsfähigkeit
Katharina Wildermuth, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und verantwortlich für CSR-Management beim © 1. FC Nürnberg
Share with your friends









Submit

Nachhaltigkeit im Fußball-Herausgeber Pierre Schramm im Gespräch mit Katharina Wildermuth, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und verantwortlich für CSR- und Nachhaltigkeitsmanagement beim 1. FC Nürnberg e. V..

Nachhaltigkeit im Fußball (NIF): Frau Wildermuth, Sie verantworten beim 1. FC Nürnberg den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit kurzem sind Sie zudem zertifizierte CSR-Managerin. Ist das ein Indiz dafür, dass Nachhaltigkeit beim Club und im Fußball allgemein an Bedeutung gewinnt?

Katharina Wildermuth: 2009 hat die DFL die Bundesliga-Stiftung gegründet. Das allein zeigt, dass das Thema gesellschaftliche Verantwortung im deutschen Profifußball an Bedeutung gewinnt. Beim Club spielte Nachhaltigkeit schon immer eine Rolle, das erste Projekt lässt sich auf 1967 datieren: Seitdem spielen Nürnberger Hauptschüler den Max-Morlock-Pokal aus. 2006 erhielt das Nürnberger Stadion als erste Spielstätte in Europa das europäische Umweltzertifikat EMAS.

Aber das waren Einzelprojekte. CSR muss in die DNA eines Vereins. CSR ist nicht nur Kosmetik. Der Fußball hat etwas nachzuholen, auch wir beim Club. Eine der Ursachen: Fußball ist ein Hire-and-Fire-Business. Der Trend geht zum Eintagestrainer, sagte einst Hans Meyer. Kann man von Angestellten, die stets mit baldiger Entlassung rechnen müssen, Nachhaltigkeit erwarten? Auf Mitarbeiterebene gelingt beim Club Kontinuität bereits sehr gut. In der Geschäftsstelle gibt es wenig Fluktuation, und wir binden überdurchschnittlich ehemalige Spieler ein. Junge Spieler werden mit langfristigen Verträgen ausgestattet.

Wir wollen jetzt weiter an den Kern. Das Thema Nachhaltigkeit soll auf alle Prozesse im Unternehmen ausgedehnt werden. Heißt im Einzelnen: Wir wollen das Wohlergehen und die Entwicklung der Spieler und Mitarbeiter fördern, Umweltauswirkungen im Spiel- und Geschäftsbetrieb und der Beschaffungskette verringern und den fairen Wettbewerb im Fußball und der Bundesliga stärken. Die Ausbildung zur CSR-Managerin ermöglicht es mir, den Verein dabei beratend zu begleiten.

NIF: Sie sind seit 2007 beim Club und haben die UEFA-Pokal-Teilnahme der Saison 2007/2008, den darauf folgenden Abstieg, den sofortigen Wiederaufstieg in der Saison 2008/2009 sowie den jüngsten Abstieg des Clubs in die zweite Liga persönlich miterlebt. Wie haben sich diese sportlichen Ereignisse und die damit verbundenen wirtschaftlichen Gegebenheiten für den Verein auf Ihre Arbeit als CSR-Managerin und das Engagement des Clubs für CSR und Nachhaltigkeit ausgewirkt?

Katharina Wildermuth: Wir versuchen, den Druck auf Spieler intern so gering wie möglich zu halten. Wir bewerten sie nicht nur nach tagesaktuellen Ergebnissen. Dem halten wir Werte wie Fairness, Leidenschaft und Einsatzwille entgegen. Vor dem Derby gegen Fürth im August 2014 haben wir mit der Aktion „Der Ball steht im Mittelpunkt“ Feindbilder abbauen wollen. Aber natürlich ist das Image des Club bei Fans und Medien stark vom Spielerfolg abhängig.

Wir müssen ja ehrlich sein. In erster Linie geht es Fans ums Gewinnen. Ein Abstieg wäre Grund für Häme, da könnte unser CSR noch so toll sein. Da müssten wir uns anhören: „3. Liga, aber immerhin fangen sie ihr Regenwasser jetzt in Tonnen auf.“ Augenscheinlich gibt es im Fußball keinen Druck, CSR umzusetzen. Es gibt Beispiele im deutschen Profi-Fußball, bei denen nicht mal Gesetzestreue eingefordert wurde. Deshalb sollten wir herausfinden, welche Ansprüche unsere Anspruchsgruppen überhaupt haben.

Ein Abstieg bedeutet auch wirtschaftlich einen erheblichen Einschnitt. Doch CSR darf nicht vom Tabellenplatz und der Bundesligazugehörigkeit abhängen. Trotz des Abstiegs in der vergangenen Saison 2013/14 baut der Club seine gesellschaftliche Verantwortung kontinuierlich aus. Kürzlich haben wir das Mitgliedermagazin auf Recyclingpapier umgestellt. Außerdem bieten wir ein E-Paper des Stadionmagazins an. Büroartikel stammen seit kurzer Zeit vom nachhaltigen Anbieter memo AG, er stammt aus der Region. Das Unternehmen hat uns dabei unterstützt, das Thema Nachhaltigkeit bei einer Mitarbeiterveranstaltung den Kollegen näher zu bringen. Die Resonanz war gut.

NIF: Liegen im sportlichen Erfolg eines Fußballvereins demnach auch die Grenzen für nachhaltiges Engagement oder welche Faktoren spielen dabei noch eine Rolle?

Katharina Wildermuth: Entscheidend sind persönliches Engagement für die Sache und Dranbleiben. Auch kleine Schritte sind Schritte. Wichtig ist auch, wie es gelingt, Vorstände und Kollegen für das Thema zu öffnen. Unterstützend wirken flache Hierarchien im Unternehmen, eine gute Vernetzung der Abteilungen, Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter und eine enge Anbindung des CSR-Verantwortlichen an die oberste Entscheiderebene. Das ist beim Club gegeben. Für die Priorisierung von CSR-Themen, -Prozessen und -Zielen ist relevant, was zum Verein und seinen Werten, passt. Welche Kernkompetenzen, welchen Einfluss hat mein Unternehmen?

NIF: Der 1. FC Nürnberg ist dafür bekannt, sich in besonderem Maße gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzusetzen. Wie definiert und versteht der Club diesbezüglich seine gesellschaftliche Verantwortung und welche Bedeutung hat hierbei die Stadt Nürnberg, die Stadt des Friedens und der Menschenrechte ist?

Katharina Wildermuth: Das Nürnberger Stadion liegt einen Steinwurf vom ehemaligen Reichsparteitagsgelände entfernt. Die schreckliche Vergangenheit Nürnbergs in der NS-Zeit ist allein durch die monumentalen Bauwerke noch spürbar. Daraus hat der Club eine besondere Verantwortung abgeleitet. Mitte der Neunziger hat der Club seine Verwicklungen in das NS-Regime aufgearbeitet, damit war er einer der ersten Fußballvereine. Das Club-Museum, das 2012 eröffnet wurde, dokumentiert den 1. FCN im Nationalsozialismus.

Die geschichtliche Aufklärung fängt beim Club in den Jugendmannschaften des NachwuchsLeistungsZentrum (NLZ) an. Wir führen unsere Jugendspieler regelmäßig durch das Club-Museum, veranstalten Workshops und händigen ihnen eine altersgerechte Broschüre über Jenö Konrad aus, unseren ehemaligen jüdischen Trainer. Wir beschäftigen eine hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin im NLZ. Wir unterstützen zudem die Initiativen ‚Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg‘, das ‚Gräfenberger Sportbündnis‘, ‚Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage‘ oder ‚Zeig Rassismus die Rote Karte‘. Zudem werden im „Kopfball Lernzentrum – Lernort Stadion“ Module zum Thema Rechtextremismus angeboten.

Im November 2014 hat der Club 3.500 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern zu einem Heimspiel eingeladen. Der Großteil stammt aus Syrien. Wir wollten ihnen eine Abwechslung zum Alltag in den Nürnberger Flüchtlingsunterkünften ermöglichen. Ein Zeichen des Willkommens. Einige Anhänger wiesen in sozialen Netzwerken darauf hin, dass lieber benachteiligten Deutschen geholfen werden sollte. Auch für diese Menschen ist der Club aktiv und vergibt zu jedem Heimspiel Freikarten.

Am 17.11.2012 erinnerten die Fans des 1. FC Nürnberg mit einer Choreografie beim Spiel gegen den FC Bayern München an ihren ehemaligen Trainer Jenő Konrád.

Am 17.11.2012 erinnerten die Fans des 1. FC Nürnberg mit einer Choreografie beim Spiel gegen den FC Bayern München an ihren ehemaligen Trainer Jenő Konrád © 1. FC Nürnberg

NIF: Im Jahr 2013 wurde der 1. FC Nürnberg vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung hat der Club gemeinsam mit dem Fanclub Ultras Nürnberg 1994 erhalten. Welche Rolle kommt bei den gesellschaftlichen Initiativen des Clubs den Fans und Fanclubs zu?

Katharina Wildermuth: Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass Aktionen mit Fans sehr großen Erfolg haben können. Anstoß war die beeindruckende Choreografie der Nürnberger Ultras im Jahre 2012 in Gedenken an Jenö Konrad. Der jüdische Trainer arbeitete von 1930 bis 1932 erfolgreich beim Club. Wegen antisemitischer Hetze in Julius Streichers ‚Der Stürmer‘ flüchtete er in einer Nacht- und Nebelaktion im August 1932 mit seiner Ehefrau und der dreijährigen Tochter Evelyn aus Nürnberg. Leider fand dieses klare Zeichen der Nürnberger Fan-Szene gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zunächst kaum Beachtung in den Medien.

Wenige Wochen später änderte sich das. Der Club organisierte eine Gedenkveranstaltung zu Ehren Jenö Konrads und aller in der NS-Zeit ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder. Jenö Konrad wurde posthum die Ehrenmitgliedschaft verliehen, die jüdischen Mitglieder wurden rehabilitiert. Dank des Club-Historikers Bernd Siegler konnten wir sogar die Tochter von Jenö Konrad, inzwischen 84-jährig und in New York ansässig, zum Gala-Abend einladen. Es war ein bewegendes Erlebnis. Evelyn Konrad ist eine intelligente, rüstige Lady, die das schwere Thema mit ihrer charmanten Art belebte. Als der Club im Mai 2014 sein Internationales U14-Jugendturnier nach ihrem Vater benannte, war sie wieder zu Gast in Nürnberg. Inzwischen ist sie Mitglied und Teil der Club-Familie. Im Mai 2015 wird Jenö Konrads Leben am Staatstheater Nürnberg uraufgeführt.

NIF: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit unterstellt, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann. Wie muss sich Ihrer Meinung nach Nachhaltigkeit im Fußball perspektivisch entwickeln?

Katharina Wildermuth: Das eine geht ohne das andere nicht. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Ökonomische Wettbewerbsvorteile können durch soziales und ökologisches Engagement erreicht werden. Ziel sollte es sein, alle drei Säulen gleichermaßen zu entwickeln. Das zahlt sich für Angestellte, Umwelt und damit das Unternehmen aus. Erfolgreich werden Initiativen nach außen kommunizierbar sein, die von Profi-Spielern des 1. FC Nürnberg als Botschafter flankiert werden.

NIF: Und welche Schwerpunkte wird der 1. FC Nürnberg in der näheren Zukunft setzen?

Katharina Wildermuth: Nachhaltigkeit ist seit Jahren und auch in der Zukunft im NachwuchsLeistungsZentrum des 1. FC Nürnberg geboten. Es bietet eine Top-Ausbildung und die Chance, ohne große Hürden im Profi-Bereich oben anzukommen. Patenschaften von Profis zu Spielern aus dem Jugend-Internat helfen dabei. Das soll weiter verbessert werden. Kurzfristig soll sich das Thema Nachhaltigkeit auch im Sortiment und der Beschaffungskette der Fan-Shops wiederspiegeln. Geplant sind zudem erste Gespräche mit CSR-Verantwortlichen von Sponsoren. Die Geschichtsaufarbeitung des Club wollen wir über den Zeitraum von 1933 bis 1945 hinaus, hinsichtlich der Themen Entnazifizierung und Kontinuitäten, vorantreiben.

Bisher spielte das Thema Nachhaltigkeit in der Kommunikation eine untergeordnete Rolle. Das soll sich ändern. Der Club will zum Nachdenken anregen und Vorbild sein. Dafür werden wir alle Aktivitäten in einem Tätigkeitsbericht, einer Vorstufe zu einem Nachhaltigkeitsbericht, bündeln. Zudem wollen wir in naher Zukunft mit einer eigenen CSR-Initiative in der Region verstärkt auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam machen.

Ich höre oft, der Fußball könne Probleme der Gesellschaft nicht lösen. Das sehe ich anders. Gerade Fußballvereine und -spieler können etwas bewirken, weil sich Botschaften in einem emotionalen Umfeld sehr gut transportieren lassen. Und sie wirken in jedem Milieu.

NIF: Stichwort “Code of Conduct”. Im Fußball wird gerne über Werte, Ideologien, Traditionen und die besondere Verantwortung der Vereine gegenüber Fans und Gesellschaft gesprochen. Tatsächlich aber gehört der Club nach unseren Recherchen derzeit zum äußerst kleinen Kreis von Bundesligisten, die sich nicht nur dahin gehend einem Leitbild selbstverpflichtet haben, sondern dieses auch, u. a. auf der Homepage offen darlegen. In der freien Wirtschaft, wie auch selbstverständlich im Fußball, müssen sich Unternehmen an den hohen ideologischen Maßstäben ihrer Leitbilder messen lassen. Sind die Einführung von Leitbild, Verhaltenscodex oder gar von Nachhaltigkeitsberichten Modelle, die auch in der Bundesliga Schule machen sollten?

Katharina Wildermuth: Die Aktie Fußball steigt in Deutschland, und nicht nur dort, immer höher. Doch Compliance-Regeln halten noch nicht Schritt. Wir wollen unser Leitbild um den Aspekt ‘Verantwortungskultur’ ergänzen. Entscheidend ist, dass Unternehmenswerte von Spielern und Mitarbeitern gelebt werden und nicht nur auf dem Papier existieren. Beim Club haben wir deshalb unser Leitbild in komprimierter Form an zentralen Orten der Geschäftsstelle, Kabine und Jugend-Akademie ausgehängt.

NIF: Zu einem aktuellen Thema: Bei der Abstimmung der Bundesligisten im März dieses Jahres über die Einführung der Torlinientechnik in der Bundesliga votierte der Club mit „Nein“. Welche Aspekte spielten bei diesem Votum  – neben der nicht unerheblichen finanziellen Belastung für ihren Verein – noch eine Rolle?

Katharina Wildermuth: Es spielten der finanzielle Aspekt eine Rolle und dass Liga, DFB sowie Experten noch nicht den richtigen Anbieter gefunden haben, der die geringste Mess-Toleranz bietet.

Grundig Stadion - 1. FC Nürnberg

Grundig Stadion © 1. FC Nürnberg

NIF: Laut der aktuellen Studie „Bälle, Tor & Finanzen“ der Unternehmensberatung EY geht es den Bundesligisten wirtschaftlich so gut wie lange nicht mehr. Dennoch klagen viele Vereinsführungen darüber, wirtschaftlich in ihren Möglichkeiten gegenüber den „Großen“ der Liga eingeschränkt zu sein. Laut einer anderen Studie der Werbeagentur Serviceplan, an der mehr als 7.700 Personen teilgenommen haben, werden  Unternehmen, die konsequent in Nachhaltigkeit investieren, langfristig sowohl beim Markenimage sowie von höherer Kundenloyalität und von mehr Umsatz profitieren. Sollten vor diesem Hintergrund nicht vor allem die wirtschaftlich schwächeren Vereine Nachhaltigkeit als eine Chance für dauerhaft wirtschaftlichen Erfolg betrachten und mehr investieren?

Katharina Wildermuth: Wirtschaftlich stärkere Vereine haben mehr Geld für Nachhaltigkeit. Die größte Aufgabe für „Kleine“ ist, aus wenig viel zu machen. Deshalb ist es wichtig, innovative Konzepte und Multiplikatoren zu finden – unabhängig vom sportlichen Erfolg.

NIF: Angesichts der im Profifußball erzielten Millionenumsätze und des darin begründeten Risikos, durch die vorherrschenden wirtschaftlichen Betätigungen der Vereine nicht mehr uneingeschränkt die Voraussetzungen des eingetragenen Vereins zu erfüllen, gründeten bereits viele  Bundesligisten ihre Lizenzspielerabteilungen in eine AG (4), GmbH (16) oder GmbH & Co. KGaA (21) aus. Was sind die Gründe dafür, dass der 1. FC Nürnberg diesen Schritt bisher noch nicht gegangen ist?

Katharina Wildermuth: Die Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg ist das höchste Gremium des Vereins. Sie müsste mit 75% Mehrheit für eine Ausgliederung stimmen. Dieser Antrag wurde beim Verein nicht gestellt, weil es aktuell keine Veranlassung hierfür gibt. Wie es sich in der Zukunft bei neuen Projekten, wie möglicherweise einem Stadion-Neubau, oder bei steuerrechtlichen Veränderungen entwickelt, bleibt abzuwarten. Sollten andere Anforderungen an einen e. V. gestellt werden, werden wir uns mit unseren Mitgliedern darüber austauschen.

NIF: Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger prognostiziert  in einem Interview mit „Nachhaltigkeit im Fußball“, dass nachhaltig arbeitende Clubführungen kommen werden. Teilen Sie seiner Meinung? Welche Kompetenzen werden von der nächsten Fußballmanager-Generation diesbezüglich erwartet?

Katharina Wildermuth: Mehr Nachhaltigkeit bedeutet höhere Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft. Dafür sollte man sich von kurzfristigem Denken lösen und die Chancen und Risiken der Megatrends einbeziehen. Ich denke an den demografischen Wandel und die überalternde Gesellschaft. Dies wird zu einem Wettbewerb um qualifiziertes Personal führen, das wiederum immer selbstbestimmter arbeiten will. Ein guter Manager wird wissen müssen, wie alt die Fans seines Klubs sind, woher sie stammen und was sie wünschen. Das ist zum Beispiel ganz entscheidend, um das Fußballstadion der Zukunft zu planen. Wichtig wird es sein, noch stärker in den Dialog mit Mitgliedern, Fans und Angestellten zu treten. Hinzu kommen weitere Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Klimawandel oder Reduzierung von Emissionen.

Die Ausbildung junger Fußballer fängt immer früher an. Deshalb muss sich der Club in Sachen Bildung und fußballerischer Ausbildung personell und finanziell mehr engagieren. Die interessanten Fragen sind: Was wollen wir künftig für Fußballer? Was ist die Pädagogik des 1. FC Nürnberg?

NIF: Deutschland ist Fußball Weltmeister 2014. Sportlich betrachtet, gehört die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien mit zu den besten WM-Turnieren aller Zeiten. Dennoch war die Kritik, sowohl am Veranstalter FIFA als auch am Gastgeberland Brasilien, so groß wie nie zuvor. Sie waren zum WM-Finale selbst vor Ort. Wie haben Sie die sozialen Unruhen, die Demonstrationen und die Reaktionen der FIFA und des Gastgeberlandes persönlich wahrgenommen?

Katharina Wildermuth: Während des Turniers habe ich keine Unruhen erlebt. Ich konnte mich mit Einheimischen austauschen. Unter Brasilianern war das Turnier wenig umstritten. Sie störte allerdings die Tatsache, dass anderen Themen, wie zum Beispiel der Bildung, nicht die gleiche Bedeutung beigemessen wurde. Gleichwohl weiß ich, dass es einen hohen Preis gekostet hat, die Sicherheit für die Gäste aus aller Welt zu gewährleisten. Die Polizei war sehr präsent.

Die Brasilianer, das war zu spüren, haben dieses Fußballfest genossen und die Gäste aus aller Welt herzlich aufgenommen. Die Organisation funktionierte hervorragend. Vom Endspiel im ‚Maracana‘ werde ich noch meinen Enkeln erzählen. Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein.

NIF: Liebe Frau Wildermuth, vielen Dank für das Gespräch.


Katharina Wildermuth, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und verantwortlich für CSR-Management beim 1. FC Nürnberg

Katharina Wildermuth, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und verantwortlich für CSR-Management beim © 1. FC Nürnberg

Über Katharina Wildermuth

Katharina Wildermuth, geboren 1979 in Halle/Saale, war von ihrem fünften bis 17. Lebensjahr als Leistungssportlerin in der Rhythmischen Sportgymnastik aktiv, nahm an Europa- und Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta teil.
Seit 2007 ist sie beim 1. FC Nürnberg tätig, seit 2010 als Leiterin der Abteilung für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit. Erste Berufserfahrungen sammelte sie bei ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau, bevor sie ein Studium der Theater- & Medienwissenschaften, Politik und Wirtschaftswissenschaften abschloss. Studienbegleitend war sie beim Deutschen Olympischen Sportbund, der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York und am Staatstheater Nürnberg tätig.
Beim Club setzte sie sich von Beginn an für soziale und fußballkulturelle Themen als Teil der Unternehmensstrategie und Öffentlichkeitsarbeit ein. 2014 erwarb sie das Zertifikat „CSR-Managerin (IHK)“ und verantwortet seitdem zusätzlich das CSR-Management beim 1. FC Nürnberg.

Weiterführende Links zum 1. FC Nürnberg e. V.