Die Greenpeace Öko-Check Tabelle 2014
Greenpeace UK Office - © Rob Purdie
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Das Greenpeace-Magazin kann schon zu Saisonbeginn vorhersehen, wie die Tabelle der 1. Bundesliga nach Ende des letzten Spieltages aussehen wird – zumindest in Sachen Ökobilanz der Hauptsponsoren der Bundesliga-Klubs.

Zum nunmehr fünften Mal wurden diese einem „Öko-Check“ unterzogen und wie bereits in den Vorjahren besteht bei der Mehrheit der Vereine eine Diskrepanz zwischen sportlichem Erfolg (Platzierung am Ende der letzten Saison) und Ökobilanz der Sponsoren.

Wie bereits im Vorjahr findet sich der FC Schalke 04 mit dem russischen Hauptsponsor Gazprom als Schlusslicht der Öko-Bundesliga wieder. Gazprom steht bei den Umweltschützern vor allem als Ölförderer in der Arktis, der damit gravierende Umweltschädigungen in Kauf nimmt, in der Kritik.

Der SV Werder Bremen fiel in der vergangenen Bundesligasaison durch sportliche Mittelmäßigkeit auf. Im Öko-Check landet der Klub von der Weser mit dem Hauptsponsor Wiesenhof sogar nur auf Rang 17. Das Geflügelunternehmen ist zum einen zur Fütterung mit Gen-Soja zurückgekehrt und setzt zum anderen weiterhin auf nicht artgerechte Haltung. Zwei klare Negativpunkte in Sachen Nachhaltigkeit des sonst so engagiert auftretenden Klubs.

In sportlicher Hinsicht enttäuschte der Hamburger SV seine Fans in der letzten Saison bitter, indem er nur knapp dem Abstieg in die zweite Liga entkam. Enttäuschend fällt auch der Öko-Check der Redaktion des Hamburger Magazins aus. Die Fluggesellschaft Emirates, Hauptsponsor des Nordklubs, wird von Greenpeace bezüglich des Themas CO2-Ausgleich bei Flugreisen mit den Worten „Viel grünes Blabla, nichts dahinter“ zitiert. Aus diesem Grund landet der HSV auch in der Tabelle des Magazins nur auf dem Relegationsplatz.

Der starken sportlichen Leistung von Borussia Mönchengladbach in der letzten Saison, ein sechster Rang mit direkter Qualifikation für die Euroleague, steht ein mangelhafter fünfzehnter Rang in der Öko-Tabelle entgegen. Zwar konnte sich der Klub um zwei Plätze zum Vorjahr verbessern, da der Hauptsponsor Postbank sich nach Protesten nicht am Riesen-Kohlehafen am Great Barrier Reef beteiligt, dennoch ist die Postbank Teil der Deutschen Bank, der von den Greenpeace-Testern die Spekulation mit Lebensmitteln nachgesagt wird.

Bayer 04 Leverkusen lief im letztjährigen Öko-Check außer Konkurrenz, da zum Zeitpunkt des Rankings der Hauptsponsor noch nicht feststand. Dies sieht in der aktuellen Saison anders aus, jedoch erspielen sich die Leverkusener mit LG Electronics keinen Champions-League-Qualifikationsplatz, anders als in der Liga. Das Greenpeace-Magazin beruft sich auf das Online-Portal „Rank a Brand“, das den Sponsor in Klima-, Umwelt- und Arbeiterschutz schlecht bewertet. Deshalb nur ein 14. Tabellenplatz im Öko-Ranking.

Nicht besser sieht es für Borussia Dortmund aus. Der BVB konnte zwar letzte Saison mit Traumfußball glänzen, nicht aber mit seinem Sponsor Evonik. Im letzten Öko-Check noch auf Rang 13 der Tabelle, da der Chemieriese ankündigte, aus der Kohlekraft aussteigen zu wollen, landeten die Borussen nun gar nur noch auf dem 14. Rang, da das Vorhaben des Sponsors noch immer nicht in die Tat umgesetzt ist.

Öko-Check Tabelle 2014 Greenpeace-Magazin

Öko-Check Tabelle 2014 © Greenpeace-Magazin

Der FC Augsburg konnte die letzte Bundesligasaison mit einem soliden Platz im Mittelfeld beenden. Hauptsponsor AL-KO ist weltweit führend im Verkauf von Wohnmobilen, wodurch der bayerische Klub im Öko-Check auf den zwölften Rang verwiesen wird. Begründet wird dies von den Greenpeace-Redakteuren damit, dass Wohnmobile extreme Spritschlucker sind (es stellt sich hier jedoch die Frage, welchen Anteil Wohnmobile am KFZ-Markt ausmachen, Anm. der. Red.).

Auch die Ränge 11 und 10 machen zwei süddeutsche Vereine unter sich aus. Rang 11, immerhin noch eine Verbesserung um vier Plätze im Vergleich zum sportlichen Status Quo, geht an den VfB Stuttgart. Die Marke mit dem Stern leuchtet mit ihren „Spritfressern“ zwar nicht am nachhaltigen Bundesligahimmel, einen Tabellenplatz konnten die Schwaben dennoch gutmachen – denn Mercedes Benz setzt als Kältemittel auf CO2. Der SC Freiburg landet mit dem regional nahen Hauptsponsor Ehrmann einen Platz vor dem VfB, steht allerdings schlechter da als in der Vorsaison. Grund: Noch immer ist die seit Jahren geplante Umstellung auf gentechfreies Tierfutter nicht erfolgt. Die „Monsterbacke“ darf inzwischen aufgrund des hohen Zuckergehalts nicht mehr als gesund beworben werden.

In der Bundesliga auf einem starken fünften Rang gelandet, geht es für den VfL Wolfsburg im aktuellen Öko-Check zwei Plätze runter. Zwar hält Hauptsponsor VW noch immer entschlossen am CO2-Ziel fest (Ausstoß von maximal 95 Gramm pro Kilometer ab spätestens 2020), jedoch ist ebenso der Einsatz eines umweltschädlichen Kältemittels geplant.

Der SC Paderborn ist in sportlicher und ökologischer Hinsicht ein Aufsteiger. Als Neuling in der ersten Bundesliga landet er auch im Öko-Check auf einem soliden achten Platz. Dennoch monieren die Umweltschützer, dass Hauptsponsor kfzteile24.de seine Produkte per Kurier verschickt und somit dazu beiträgt, dass die Straßen immer voller werden (es ist fraglich, welche Alternativen sich zum Verschicken auf Straße bieten, Anm. der Red.).

Hannover 96 wird von den Greenpeace-Testern mit einem siebten Tabellenrang bedacht. Dies ist jedoch nicht von Relevanz, da nicht mehr TUI (wie fälschlicherweise vom Magazin bewertet) Hannovers Hauptsponsor ist, sondern das Isernhagener Massivhausunternehmen Heinz von Heiden. Wagt man selber eine Bewertung hinsichtlich dessen (ökologischer) Nachhaltigkeit, so ist in jedem Fall die regionale Nähe zum Verein ein Pluspunkt. Außerdem kann das Unternehmen eine Vielzahl sozialer Engagements vorweisen.

Anders als in der Bundesligatabelle kann Eintracht Frankfurt in der Ökobilanz punkten. Zumindest setzt ihr Sponsor, der italienische Autobauer Alfa Romeo, durchaus auf Klimafreundlichkeit. Neuwagen der sportlichen Marke stoßen im Schnitt lediglich 126 Gramm CO2 pro Kilometer aus und sichern den Helden vom Main einen sechsten Platz in der Greenpeace-Tabelle.

Hertha BSC setzt weiterhin auf die Deutsche Bahn als Sponsor und erreicht dadurch im Öko-Check Rang 5. Allerdings sinkt die DB in der Gunst des Magazins durch vermehrten Einsatz von Lkws an Stelle von Autoreisezügen. Deshalb ein Tabellenplatz runter für den Hauptstadt-Klub.

Die TSG 1899 Hoffenheim hat den Tabellenplatz mit Hertha BSC getauscht und erreicht demnach einen beachtlichen vierten Platz im Öko-Ranking. Grund dafür ist zum einen die Recyclingfreudigkeit des Sponsors SAP. Zum anderen hat der weltweit führende Softwareanbieter Programme für Energieeffizienz sowie die App „TwoGo“ zur Bildung von Fahrgemeinschaften entwickelt.

Einen Champions-League-Qualifikationsplatz, zumindest im Öko-Check, kann sich der FSV Mainz 05 mit Trikotsponsor Entega sichern. Dessen Engagement für den Klimaschutz und der Vertrieb von Ökostrom kommen gut an. Einziges Manko: Geschäftskunden werden immer noch mit Kohlestrom beliefert.

Für den FC Bayern München springt im diesjährigen Öko-Check nur die Vize-Meisterschaft heraus. Dennoch: Sponsor Deutsche Telekom überzeugt durch sparsame Dienstwagen und Fahrräder und fördert Videokonferenzen an Stelle von Flugreisen.

Aufstieg und dann sogleich die Meisterschale in den Händen! Damit befindet sich der 1. FC Köln auf den Spuren der Roten Teufel vom Betzenberg – zumindest im Greenpeace-Check. Die Eroberung der Tabellenspitze resultiert laut Greenpeace-Testern aus dem Vorhaben des Sponsors Rewe, sich ganz und gar von der Tierfütterung mit Gen-Soja zu verabschieden. Dies unterscheidet ihn vom Großteil seiner Konkurrenten. Nichtsdestotrotz muss auch Rewe Kritik über sich ergehen lassen: Die Lebensmittelkette führt weiterhin Fleisch aus Massentierhaltung in ihrem Sortiment.

Eine weiße Weste kann demnach keiner der Sponsoren der 18 Bundesliga-Klubs vorweisen. Bei allen besteht weiterhin großes Potential in Sachen Nachhaltigkeit.

Kritik am Greenpeace Öko-Check

Das aktuelle Ergebnis des Greenpeace Öko-Checks zeigt, wie wichtig der Blick auf die Vereinbarkeit von sportlichen Zielen unter Einhaltung ökologischer und sozialer Aspekte ist. Dennoch bleibt die Kritik, unter welchen Aspekten das Umweltmagazin die ökologischen Aspekte der Hauptsponsoren beurteilt. Sinngemäß beschreibt das Ergebnis: „Unter den Blinder ist der Einäugige König“.

Zum Beispiel: Spitzenreiter Rewe handelt nicht ausschließlich mit Fleischwaren. Wie sieht es also mit der Öko- und Nachhaltigkeitsbilanz anderer Sortimente aus? Setzt die Kette auf Vermarktung von regionalem Obst und Gemüse?
Oder: Fördert die Deutsche Telekom Videokonferenzen aus Gründen des Klimaschutzes oder um selbst Kosten einzusparen? In welchem Verhältnis steht der Spritverbrauch eines Wohnmobiles im Vergleich zum Verzicht auf Gen-Soja? Und steht Emirates im Vergleich zu anderen Fluglinien in Sachen Klimaschutz wirklich so schlecht da, wie vom Magazin dargestellt?

Die Greenpeace-Magazin-Tabelle motiviert, sich intensiver mit dem Thema Sponsoring und Nachhaltigkeit zu befassen. Insbesondere muss man sich darüber bewusst sein, dass nachhaltiges Handeln sich nicht nur auf die ökologischen Aspekt beschränkt. Soziales, gesellschaftliches und regionales Engagement sowie Arbeitsbedingungen sind dem gleichzusetzen, werden im Greenpeace-Test jedoch nicht berücksichtigt.

Weiterführende Links zum Greenpeace Öko-Check