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Weltfußballerin mit Freude und Trauer bei der Auszeichnung

Zürich (SID) - Nadine Keßler war völlig durch den Wind. Als die 26-Jährige den Journalisten aus aller Welt lange nach der Wahl zur Weltfußballerin ihre Empfindungen schildern sollte, stand die beste Spielerin des Planeten immer noch neben sich. Die Freude über die Auszeichnung einerseits und die Trauer über den Unfalltod ihres Klubkollegen Junior Malanda andererseits waren einfach zu viel für die Spielführerin des VfL Wolfsburg.

“Das ist nicht in Worte zu fassen”

“Das ist nicht in Worte zu fassen. Ich brauche noch ein wenig, um das zu begreifen”, sagte Keßler, die nach Birgit Prinz (2003 bis 2005) und Nadine Angerer (2014) als dritte Deutsche zur Fußball-Königin ausgerufen wurde.

“Alles überschüttet durch Tragödie um Junior Malanda”

Schon bei der Übergabe der Trophäe musste “Kessi” mit den Tränen kämpfen. “Alles wird durch die Tragödie um Junior Malanda überschattet”, sagte die sichtlich bewegte Keßler: “Der ganze Verein ist zutiefst erschüttert.” Das war auch im Gesicht ihres Trainers Ralf Kellermann zusehen. Dem Coach des Jahres standen ebenfalls die Tränen in den Augen.

Emotionen gehören allerdings schon immer zu der Karriere Keßlers. Schließlich hat sie den beschwerlichen Weg vom tristen Reha-Alltag zurück ins grelle Rampenlicht bereits mehrfach zurückgelegt. Viel hat nicht gefehlt, und die Nationalspielerin hätte die Glanzpunkte ihrer bemerkenswerten Laufbahn nie erreicht. Denn die sportliche Karriere der Mittelfeldspielerin hing bereits frühzeitig am seidenen Faden.

Ihre “Dauerbaustelle”, das linke Knie, macht Keßler momentan erneut zu schaffen. Drei Monate nach einer Meniskus-Operation hat sie bei Belastung immer noch Schmerzen und verpasste den Trainingsauftakt.

Doch die gesundheitlichen Rückschläge haben Keßler auch zu der Führungspersönlichkeit gemacht, die nach der Auszeichnung als Europas Fußballerin des Jahres nun zur Weltfußballerin gekrönt wurde. “Es prägt dich einfach, dass du immer wieder aufstehen musst”, sagte sie dem SID.

2014 führte Keßler die Wölfinnen zur Titelverteidigung in Meisterschaft und Champions League. Nach dem Triple 2013 nahm sie bereits zum vierten und fünften Mal eine Trophäe für den VfL in Empfang. Als Anführerin trumpfte Keßler dabei in der Form ihres Lebens auf.

Keßler ist “Leader auf dem Platz”

Kellermann weiß, was er an dieser Ausnahmespielerin hat: “Sie ist unser Leader auf dem Platz.” Das unterstrich Keßler auch im vergangenen Finale der Königsklasse, als sie in Lissabon nach 0:2-Rückstand mit einem herrlichen Solo den Siegtreffer zum 4:3-Endstand gegen Tyresö FF vorbereitete.

Als eines der größten deutschen Talente galt die Pfälzerin und bekennende Anhängerin des 1. FC Kaiserslautern, die Zinedine Zidane als ihr größtes Vorbild bezeichnet, schon zu Beginn ihrer Karriere 2004 beim 1. FC Saarbrücken. Doch einem Knorpelschaden im Knie folgten schwere Komplikationen. Siebenmal musste Keßler zwischen 2008 und 2010 unters Messer.

Sie kämpfte sich zurück und wechselte 2011 von Turbine Potsdam in die Autostadt. Dort entwickelte sich Keßler auch zu einer herausragenden Stammkraft in der Nationalelf.

Ausnahmespielerin und Masterstudentin

Wie groß ihre Opferbereitschaft ist, hat die Europameisterin schon oft bewiesen. Im Champions-League-Finale 2013 spielte sie mit einer Schiene an der Hand und einem gebrochenen Zeh. Weil sie aber erfahren musste, dass der Körper seine Grenzen hat, hat sie immer auch ihre berufliche Entwicklung vorangetrieben.

Sie schloss ein Bachelorstudium als Fitnessökonomin ab und arbeitete bis zum vergangenen Jahr halbtags bei einer Agentur für Kommunikationsdesign. Ab dem Frühjahr nimmt sie per Fernstudium nun den Master ins Visier.

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