Was wurde aus den Gründungsmitglieder der Bundesliga?
Bundesliga - DFL / Bild-Quelle © Tsyhun / Shutterstock.com
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Köln, 22.Mai (SID) – Sie sind tief gesunken, schon immer dabei oder standen kurz vor der Pleite: Die 16 Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga haben ganz unterschiedliche Wege genommen. Am Samstag könnte sich der letzte von ihnen erstmals aus der Bundesliga verabschieden: der Hamburger SV.

Die Gründungsmitglieder der Bundesliga – und was aus ihnen wurde. Geordnet nach der Abschlusstabelle der Saison 1963/64.

Die Wege der 16 Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga

1. FC Köln

Der erste Bundesliga-Meister, unter Trainer Georg Knöpfle. 1948 aus einer Fusion entstanden, ab 1963 dann 35 Jahre in Folge in der Bundesliga. Ein Europapokalfinale gegen Real Madrid (1986). Turbulente Zeiten, Schulden, mehrmals Christoph Daum, mehrmals Lukas Podolski. Fahrstuhlmannschaft. Trainer Peter Stöger und Manager Jörg Schmadtke scheinen dies zu ändern.

  • 1. Abstieg: 1998
  • Bundesliga-Meistertitel: 2 (1964, 1978)
  • Größter Erfolg: UEFA-Cup-Finalist 1986, Meister 1962, 1964, 1978, vier DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga

 Meiderischer SV / MSV Duisburg

Seit 1967 MSV Duisburg. Höchster Sieg am ersten Bundesliga-Spieltag: 4:1 beim Karlsruher SC. Erste Mannschaft, die sich Vize-Meister nennen durfte – was bis heute der größte Erfolg geblieben ist. Geprägt von Bernard Dietz, Kapitän der Europameister von 1982, und dem Mäzen Walter Hellmich.

  • 1. Abstieg: 1982
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: Vize-Meister 1964, UEFA-Cup-Halbfinale 1979, vier verlorene DFB-Pokal-Finals (zuletzt 2011)
  • derzeit: 3. Liga, Aufstieg in die 2. Liga perfekt

Eintracht Frankfurt

Lange zwischen Beinahe-Abstiegen und Beinahe-Titeln, tragisch die verspielte Meisterschaft 1992 in Rostock. Legendär das Landesmeisterfinale gegen Real Madrid (3:7, zweimal Erwin Stein). Bernd Hölzenbein fiel 1974 im WM-Finale zum Elfmeter. Gaudino, Okocha, Yeboah, Möller. 1999 das “Nichtabstiegswunder” gegen Kaiserslautern (Stichwort: Fjörtoft).

  • 1. Abstieg: 1996
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: Europapokalfinale der Landesmeister 1960, UEFA-Pokalsieger 1980, Meister 1959, vier DFB-Pokal-Siege (zuletzt 1988)
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga


50.Jahre Bundesliga: Die Gründungsmitglieder der Bundesliga / Quelle: HERTHA BSC / HAUPSTADT BERLIN (YouTube.com)

BVB Borussia Dortmund

Spitzenmannschaft in den 50ern, 60ern, 90ern, nach der Jahrtausendwende. Erster deutscher Europapokalsieger. Timo Konietzka schoss das erste Tor der Bundesliga. Abstürze, seit 1999 Aktiengesellschaft, 2005 fast der Ruin. 2008: der Glücksgriff Jürgen Klopp. Größte Momente: Lars Rickens Heber zum Champions-League-Sieg 1997, die unglaubliche Rettung gegen Fortuna Köln 1986.

  • 1. Abstieg: 1972
  • Bundesliga-Meistertitel: 5 (1995, 1996, 2002, 2011, 2012)
  • Größte Erfolge: Champions-League-Sieger 1997, Weltpokalsieger 1997, Europapokal der Pokalsieger 1966, achtmal Meister, drei DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga

Vfb Stuttgart

Nie tiefer gestürzt als auf Platz 11 der 2. Liga (1975/76), unvergessen die UEFA-Cup-Endspiele gegen Diego Maradonas SSC Neapel 1989. 1998 mit Trainer Joachim Löw noch einmal im Europapokalfinale, da war das “Magische Dreieck” Bobic, Elber, Balakow bereits gesprengt. Mit “jungen Wilden” 2007 noch einmal aufgeflackert (Philipp Lahm!), seitdem im Abwärtstrend.

  • 1. Abstieg: 1975
  • Bundesliga-Meistertitel: 2 (1984, 2007)
  • Größte Erfolge: Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1998, UEFA-Cup-Finalist 1989, Meister 1950, 1952, 1984, 1992, 2007, drei DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga, akute Abstiegsgefahr

Hamburger SV

Der “Dino der Liga” mit dem Dino als Maskottchen. Letztes verbliebenes Gründungsmitglied der Bundesliga. Magath traf 1983 im Europacup-Finale von Athen gegen Juventus Turin, auch die Namen Hrubesch, Jakobs, Kaltz klingen nach. Seit langem ewiges Sorgenkind seiner Ikone Uwe Seeler, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft.

  • 1. Abstieg: noch keiner
  • Bundesliga-Meistertitel: 3 (1979, 1982, 1983)
  • Größte Erfolge: Europapokal der Landesmeister 1983, Europapokal der Pokalsieger 1977, Meister 1923, 1928, 1960, 1979, 1982, 1983, drei DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga, akute Abstiegsgefahr

1860 München

“Münchens große Liebe”. Europacup-Finalist 1965, Meister 1966. Einst der große Bruder des FC Bayern, dann der kleine. Franz Beckenbauer wäre vielleicht ein Blauer geworden, hätte ein Sechzger ihn nicht geohrfeigt. Stehaufmännchen des Fußballs. Abstürzen in die Regional- und Bayernliga folgten beeindruckende Comebacks. Fast schon vergessen: 2000/01 noch in der Qualifikation zur Champions League.

  • 1. Abstieg: 1970
  • Bundesliga-Meistertitel: 1 (1966)
  • Größte Erfolge: Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1965, Meister 1966, DFB-Pokal-Sieger 1942 und 1964
  • derzeit: 2. Liga, Abstiegsgefahr

Schalke 04

Bundesliga-Meister nur für vier Minuten im Mai 2001. Ansonsten der ewig Wartende: letzter Meistertitel 1958. Dennoch wurden Heldengeschichten geschrieben: Der “Kreisel”, Szepan und Kuzorra, die Eurofighter von 1997. Seit 1958 siebenmal (!) Vize-Meister. Viele Skandale, hohe Schulden, wilde Trainerwechsel.

  • 1. Abstieg: 1981
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: UEFA-Cup-Sieger 1997, Meister 1935, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942, 1958, fünf DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga

1. FC Nürnberg

Der Glubb is a Depp, heißt es in Nürnberg – ein wahrer Meister darin, Aufgebautes wieder einzureißen. Dazu passend: der Abstieg 1969, ein Jahr nach dem bislang letzten Meistertitel. Immer für einen Skandal, Auf- oder Abstieg gut, gerne auch mehrere kurz nacheinander. Kommt immer wieder zurück. Bis 1987 noch Rekordmeister.

  • 1. Abstieg: 1969
  • Bundesliga-Meistertitel: 1 (1968)
  • Größte Erfolge: Halbfinalist im Europapokal der Pokalsieger 1963, Meister 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968, vier DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 2. Liga

SV Werder Bremen

Eine einzige Zweitliga-Saison trübt die beinahe makellose Bilanz: 1980/81. Ansonsten ein Muster an Beständigkeit mit zwischenzeitlichen Höhen, ein Verein wie Thomas Schaaf. Pico Schütz, Rudi Völler, Dieter Eilts. Experte für Europapokalwunder. Lange Stammgast auch in der Champions League, zuletzt ein mehrjähriger Einbruch – aber kein weiterer Abstieg.

  • 1. Abstieg: 1980
  • Bundesliga-Meistertitel: 4 (1965, 1988, 1993, 2005)
  • Größte Erfolge: Europapokal der Pokalsieger 1992, UEFA-Cup-Finalist 2009, Meister 1965, 1988, 1993, 2005, sechs DFB-Pokal-Siege
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga

Eintracht Braunschweig

Meister 1967, bestens bekannt durch die Vorreiterrolle bei der Trikotwerbung (Jägermeister). Ansonsten: Paul Breitner kam 1977, später dann der Absturz bis in die 3. Liga. Bundesliga-Comeback 2013, aber nur für ein Jahr. Es war die 21. Bundesliga-Spielzeit für die Eintracht. Zudem: sechs Meistertitel im Damen-Feldhockey.

  • 1. Abstieg: 1973
  • Bundesliga-Meistertitel: 1 (1967)
  • Größte Erfolge: Meister 1967, Viertelfinalist im Europapokal der Landesmeister 1968
  • derzeit: 2. Liga

1. FC Kaiserslautern

“Rote Teufel”, spöttisch auch: die Region. Unvergessen, wie Rudi Völler seinen Weltmeisterkollegen Andreas Brehme nach dem Abstieg 1996 tröstete. Es begann die Ära Otto Rehhagel mit der sensationellen Meisterschaft als Aufsteiger. Jeder in der Stadt kennt die 54er-Weltmeister des FCK: Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer. Ihnen ist am Stadion ein Denkmal gewidmet.

  • 1. Abstieg: 1996
  • Bundesliga-Meistertitel: 2 (1991, 1998)
  • Größte Erfolge: UEFA-Pokal-Halbfinalist 1982, 2001, Champions-League-Viertelfinalist 1999, Meister 1951, 1953, 1991, 1998, DFB-Pokal-Sieger 1990, 1996
  • derzeit: 2. Liga

Karlsruher SC

Nach fünf Jahren Bundesliga klassische “Fahrstuhlmannschaft” bis Ende der 80er Jahre, dann noch einmal Stammgast, dies eng verbunden mit dem Namen des Trainers Winfried Schäfer. 1993/94 im UEFA-Pokal-Halbfinale – auch dank des “Wunders” gegen den FC Valencia (7:0 nach 1:3). In der Bundesliga nie besser als Fünfter (1999), 2000/01 und 2012/13 jeweils ein Drittligajahr.

  • 1. Abstieg: 1968
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: Meister 1909 (als Karlsruher FC Phönix), DFB-Pokal-Sieger 1955, 1956, Pokalfinalist 1960, 1996
  • derzeit: 2. Liga, Aufstiegschance

Hertha BSC Berlin

Die “alte Dame”. Passend: 84 Jahre – keine Mannschaft der Bundesliga wartet länger auf ihren nächsten Meistertitel. Ende der 80er Jahre in die Amateur-Oberliga gestürzt. Immer mal wieder gut, aber nur von 1997 bis 2009 nachhaltig (durchgehend Bundesliga). Am Bestechungsskandal 1971 beteiligt. Will stets das Pokalfinale im heimischen Olympiastadion erreichen, schafft es aber nicht. 1993 schaffte es: Hertha BSC II. Und verlor.

  • 1. Abstieg: 1965 (Zwangsabstieg)
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: Meister 1930, 1931, fünfmal Vize-Meister, dreimal Pokalfinalist (einmal 2. Mannschaft)
  • derzeit: 1. Fußball-Bundesliga, Abstiegsgefahr

Preußen Münster

Abstieg in der ersten Bundesliga-Saison, seitdem höchstens zweitklassig mit mehreren Stürzen in die 3. oder 4. Liga (zuletzt viertklassig: 2011). 1951 mit dem berühmten “100.000-Mark-Sturm” Vize-Meister, seitdem ohne nennenswerte Erfolge – außer der einen, einzigen Bundesliga-Saison.

  • 1. Abstieg: 1964
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größter Erfolg: Vize-Meister 1951
  • derzeit: 3. Liga

1. FC Saarbrücken

Wurde vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Jules Rimet einst als “interessanteste Fußball-Mannschaft Europas” bezeichnet. 1951 die erste Mannschaft, die bei Real Madrid gewann, und das gleich 4:0! Alles lange her. Abstieg nach dem ersten Bundesliga-Jahr 1964, Kurz-Comebacks 1977, 1985, 1992. 2008 der Tiefpunkt: Sturz in die Fünftklassigkeit.

  • 1. Abstieg: 1964
  • Bundesliga-Meistertitel: keine
  • Größte Erfolge: Vize-Meister 1943, 1952, zweimal DFB-Pokal-Halbfinalist
  • derzeit: 4. Liga, Aufstiegs-Play-offs

Gründungsmitglieder der Bundesliga und ihre ersten Abstiege

Bundesliga GründungsmitgliedErstmals abgestiegen im Jahr
Preußen Münster 1964
1. FC Saarbrücken
1964
Hertha BSC1965 (Zwangsabstieg)
Karlsruher SC1968
1. FC Nürnberg1969
1860 München 1970
BVB Borussia Dortmund1972
Eintracht Braunschweig1973
VfB Stuttgart1975
Werder Bremen1980
Schalke 04 1981
MSV Duisburg1982
Eintracht Frankfurt1996
1. FC Kaiserslautern1996
1. FC Köln1998
Hamburger SVnoch nie abgestiegen
(Stand: 24. Mai 2015)
Die Liste zeigt alle 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga und das Jahr in dem sie erstmals abgestiegen sind. Mit Ausnahme des Hamburger SV sind bereits alle Gründungsmitglieder der Bundesliga in ihrer Vereinsgeschichte schon mindestens einmal abgestiegen (Stand: 24. Mai 2015).

 Weiterführende Links zum Thema Gründungsmitglieder der Bundesliga