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Die neue Integrationsinitiative von DFB, DFL und der Bundesregierung

Mach einen Strich durch Vorurteile! So lautet der Slogan der gemeinsamen Integrationsinitiative von DFB, Bundesliga und Bundesregierung, die im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vorgestellt wurde und von diversen Bundesliga-ProfispielerInnen unterstützt wird.


Quelle: YouTube.com © Sport1

Hauptziel der Initiative ist es, durch den Fußball „einen Beitrag für positive Willkommenskultur zu leisten“. Neben dem Aktionstag in den obersten Fußballligen am vergangenen 26. Spieltag (20.-23. März) startete eine bundesweite TV- und Printkampagne, die mit dem Slogan `DiskrimiNIErung´ für Vielfalt und gegen Ausgrenzung auf und neben dem Fußballfeld aufrufen möchte. Außerdem werden in den kommenden zwei Jahren 1,2 Millionen Euro zur Förderung nachhaltiger Flüchtlingsprojekte bereitgestellt – die Hälfte des Geldes soll Amateurvereine unter dem Motto „1:0 für ein Willkommen“ bei der erfolgreichen Integration von Flüchtlingen unterstützen.

So weit, so gut. Eine Aktion, die auch angesichts der Aktualität von Pegida & Co. notwendiger denn je zu sein scheint. Und Staatsministerin Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, hat völlig Recht, wenn sie sagt:

„Gerade der Fußball hat die Kraft, Menschen auch über kulturelle Unterschiede hinweg zusammen zu bringen und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Er fördert die Begegnung, schafft Verständigung und baut wechselseitige Vorurteile im gemeinsamen Erleben ab.“

Fußball als Deutschlands Sportart Nr. 1 mit seiner breiten Präsenz in den Medien muss ein aktiver Intermediär sein, um positiv zur gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen beizutragen. Deshalb ist die Aktionskampagne sicherlich ein wichtiger erster Schritt, um genau dieses Ziel zu erreichen. Warum aber nicht mehr als das? Warum kann (oder muss man sogar) eine Initiative, die mehr als 600.000 Euro für die Integrationsarbeit von Amateurvereinen bereitstellt, dennoch kritisch betrachten? Weil 600.000 Euro plötzlich überhaupt nicht mehr viel sind, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Amateurvereine sich das Geld teilen sollen, um nachhaltige Integrationsprojekte zu initiieren.

600 Amateurvereine (von über 25 000 deutschlandweit) werden nach einer Bewerbung bei der DFB-Stiftung Egidius Braun ausgewählt und dürfen sich dann „glücklich schätzen“, in den nächsten beiden Jahren jeweils 500 – in Worten: fünfhundert – Euro zur Verfügung gestellt zu bekommen, um Flüchtlinge in ihrem Verein willkommen zu heißen. Aber: Die Bewerbung eines Vereins ist sowieso erst dann möglich, wenn er bereits Engagement in der Integration von Flüchtlingen vorweisen kann.

Spätestens, wenn man dies liest, fragt man sich, wie ein traditionell mit klammen Kassen ausgestatteter Dorfverein ein „1:0 für ein Willkommen“ in der Realität bewerkstelligen soll. Selbst wenn es ein Amateurverein (wie auch immer) schafft, zu den 2,4% der Vereine zu gehören, denen der Geldsegen der DFB-Stiftung (und der Nationalmannschaft, die großzügiger Weise ein Viertel des zur Verfügung gestellten Geldes aus ihrem Prämientopf bereitgestellt hat) zuteil wird, stellt sich die berechtigte Frage, wie mit fünfhundert Euro Startkapital ein nachhaltiges Flüchtlingsprojekt entstehen soll.

Ich spreche auch aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass Amateurvereinen oftmals schon das Geld für die Instandhaltung des (oftmals von allen Mannschaften genutzten) einzigen Spielfelds fehlt. Wie kann man – in diesem Fall die Initiatoren der Flüchtlingskampagne – gleichzeitig erwarten, dass von einem Amateurverein ein Projekt auf die Beine gestellt wird, das Flüchtlingen auch längerfristig z.B. die kostenlose Vereinsmitgliedschaft, die Ausstattung mit Spielbekleidung, etc. ermöglicht?

Viele Vereine haben in den letzten Wochen und Monaten Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung gestellt – absolut richtig und ein positives Zeichen der Willkommenskultur. Aber allein das hat einigen Klubs nicht unerhebliche finanzielle Einbußen etwa durch entfallene Punktspiele beschert. Dennoch wurde kaum darüber lamentiert, da sich die SportlerInnen und Verantwortlichen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst waren und sind.

Dieses Bewusstsein sollte in jedem Fall vom DFB und der Bundesregierung aufgegriffen, bestärkt und auch belohnt werden. Angemessen. Nicht mit einem „1:0 für ein Willkommen“, das nach einigen Monaten womöglich bereits wieder verabschiedet werden muss, weil der Wille nach Engagement zwar da ist, der Geldtopf aber leer.

#StrichdurchVorurteile in den sozialen Medien

Auf Facebook, Twitter und Co. trifft die Kampagne weitestgehend auf positive Reaktionen, nicht zuletzt, da sich eine breite Basis prominenter Fußballer und Fußballerinnen mit ihrem positiven Image für die Akzeptanz und die Verbreitung der Kampagne einsetzt. So gehören Schalke 04- und WM-Star Benedikt Höwedes, BVB-Ballkünstler Ilkay Gündogan sowie Abwehrbollwerk Ronaldo Aparecido Rodrigues (Naldo) vom VfL Wolfsburg zu den bekanntesten offiziellen Treibern der Kampagne. Unter dem Hashtag #StrichdurchVorurteile findet man die aktuellen Tweets der Fußballstars, der Bundesligisten (und auch deren Sponsoren) sowie Reaktionen von Fußballfans auf die Kampagne. Apropos Sponsoren – einige von Ihnen, wie z. B. der Hauptsponsor des 1. FC Köln, die REWE Group, verzichteten anlässlich des Aktionstages auf das Auflaufen der Stars mit ihrer Trikotwerbung.

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