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Die interne Bundesliga-Fünfjahres-Wertung

Ein Beitrag unseres Gastautors Moritz Förster

„In die Röhre gucken“, eine Floskel, die die Situation hierzulande wohl ganz gut beschreibt, nachdem die Premier League die Zahlen aus ihrem neuen TV-Vertrag publik gemacht hat. Umgerechnet rund 6,9 Milliarden Euro zahlen Sky und BT Sport von 2016 bis 2019 – also rund 2,3 Milliarden Euro jährlich. Zum Vergleich: Die Bundesliga erhält für vier Jahre bis 2017 rund 2,5 Milliarden Euro, also etwa 625 Millionen Euro je Saison.

Wie in aller Welt soll die Bundesliga bloß ihre Top-Spieler halten, wenn die englischen Clubs erstmal loslegen mit ihrem frischen Kapital die Spielermärkte zu fluten? Ablösesummen von 30 Millionen für Spieler, deren Namen der wöchentliche Sportschau-Zuschauer hierzulande gar nicht aussprechen kann, sind auf der Insel ja jetzt schon an der Tagesordnung.

Die Partien der Premier League laufen rund um die Uhr in aller Welt – ausgestrahlt im Internet und über Satellit. Die Kalkulation ist simpel: Mit dem vielen Geld kauft sich die Premier League die besten Spieler und ist mit diesen auch in der Champions League erfolgreich. Dadurch erhöht die sie wiederum ihre Attraktivität, erreicht eine noch größere Anhängerschaft, steigert durch die höhere globale Reichweite den Wert ihrer Fernsehrechte, und so fort…

Ein Glück nur, zumindest aus Sicht der DFL, dass ganz am Anfang der Endlosschleife ein Kausalzusammenhang steht, den es erst noch zu überprüfen gilt: Derjenige, der mehr Geld für Spieler ausgibt, ist der sportlich erfolgreicher? Für die Bundesliga müsste in diesem Fall gelten: Je mehr Geld ein Verein vor der Saison in teure Spieler steckt, desto mehr Punkte holt er im Vergleich zur Vorsaison. Was sagt der Blick auf die vergangenen fünf Spielzeiten?

Nach Kausalität sind diese Graphik nun wahrlich nicht aus. Die Korrelation beträgt -0,13. Statistisch gibt es also keinen nennenswerter Zusammenhang – aber immerhin, liebe Bundesliga Manager, eine ganz leichte Tendenz: Je höher euer Transferdefizit, umso besser waren in den vergangenen fünf Jahren eure Chancen, dass ihr in der neuen Saison ein paar Pünktchen mehr holt.

Grafik_Bundesligatransfers

Ganz links der Punkt, das ist übrigens der FC Bayern München, der vor der Saison 2012/13 ein Transferdefizit von fast 70 Millionen Euro ausgewiesen hat. Darunter auch die 40 Millionen Euro für Javi Martinez. Ausgerechnet in der Saison des Rekord-Transferdefizits holten die Bayern am Ende nicht nur 18 Punkte mehr als in der vorherigen, sondern auch ihr historisches Triple. Ist das etwa ein Zeichen für Management Kompetenz?

Kompetenzmeister wäre in der Saison 2010/11 übrigens Hannover 96: Mit einem minimalen Transferminus von weniger als einer halben Millionen Euro verbesserten die 96er ihre Ausbeute im Vergleich zur vorherigen um 27 Punkte. Und auf Schalke muss man dem Management fast raten, Spieler lieber zu verkaufen, als einzukaufen: Nach einem Transferplus von über 24 Millionen Euro in der Saison 20011/12 holten die Knappen gleich 24 Punkte mehr als mit den für gutes Geld verkauften Spielern in der Vorsaison. Zugegeben lag diese Bilanz vor allem an den 27,5 Millionen, die der Verkauf von Manuel Neuer an den FC Bayern in die Kasse spülte. Dass das ganze auch andersrum funktioniert zeigte in der Saison 2009/10 der VfL Wolfsburg: Die Wölfe – immerhin Meister im Vorjahr – schlugen fleißig zu auf dem Transfermarkt (minus 23,9 Millionen Euro), holten am Ende aber 19 Punkte weniger als in der Vorsaison – das Geld für Obafemi Martins & Co. hätte man sich wohl auch sparen können.

Auf was für dünnes Eis man sich bei einem Lob der Bundesliga-Manager und ihrer Transferaktivitäten begibt, veranschaulicht folgende Graphik:

Positive Transferbilanz = Punktegewinn? © Moritz Förster

Säulenmodell zur Verdeutlichung des Zusammenhangs zwischen Transferbilanz und Punktestand © Moritz Förster

 

Bleibt die Frage, wie die einzelnen Vereine abschneiden: Wessen Transfers schlagen voll ein, wer ist der Mr. Transferflop?

VereinDurchschnittlicher Transfersaldo je Punkte in den vergangenen fünf Jahren
SV Werder Bremen0.18
VfB Stuttgart0.15
SC Freiburg0.05
1.FC Nürnberg0.05
Hertha BSC0.03
1.FSV Mainz 05-0.01
FC St. Pauli-0.01
Borussia Dortmund-0.01
Bayer 04 Leverkusen-0.01
TSG 1899 Hoffenheim-0.03
FC Augsburg-0.05
FC Schalke 04-0.05
VfL Bochum-0.07
SpVgg Greuther Fürth-0.07
Eintracht Braunschweig-0.07
Borussia Mönchengladbach-0.07
Hannover 96-0.08
Eintracht Frankfurt-0.08
1. FC Kaiserslautern-0.1
Fortuna Düsseldorf-0.1
Hamburger SV-0.13
1.FC Köln-0.16
VfL Wolfsburg-0.4
FC Bayern München-0.51
0.01
© Moritz Förster; Quelle: transfermarkt.de

 

Es fällt auf, dass die fünf Clubs mit einer positiven Transferbilanz in den vergangenen fünf Spielzeiten im Abstiegskampf stecken oder gesteckt haben (Bremen, Stuttgart, Freiburg, Hertha) oder bereits abgestiegen sind (Nürnberg). Zu knauserig im Einkauf von Spielern zu sein, scheint keine allzu gute Idee zu sein, um den Laden wieder flott zu machen. Der FSV Mainz 05 hat je Bundesligapunkt nur ein Transferminus von 100.000 Euro – wie übrigens auch Borussia Dortmund, in diesem Zeitraum immerhin zweimaliger deutscher Meister. Das nennt man wohl effizient. Auffällig ist der große Abstand der beiden Schlusslichter: Bayern München hat je Bundesliga-Punkt ein Transferminus von über 500.000 Euro, beim VfL Wolfsburg sind es 400.000 Euro. Ist die aktuelle Tabellensituation mit diesen beiden Clubs an der Spitze nur eine Frage des Geldes? Beim 1. FC Köln und auch beim Hamburger SV waren bei einer mauen Punkteausbeute wohl schlichtweg zu viele Flops auf dem Transfermarkt dabei.

Zu einfach ist es allerdings, dem FC Bayern zu unterstellen, sportlichen Erfolg einfach einzukaufen: Denn schau mal einer an: Die Bayern sind nicht nur Rekordmeister, sondern auch Kompetenzmeister der vergangenen fünf Jahre, wenn man den Korrelationskoeffizienten dafür zugrunde legt. Im Falle des FC Bayern bedeutet ein Wert von -0,9: Umso höher das Transferdefizit der Bayern vor der Saison, umso mehr Punkte holten die Bayern im Vergleich zur vorherigen Spielzeit. Borussia Mönchengladbach sollte dagegen im folgenden Sommer schleunigst alle Leistungsträger wie Xhaka, Herrmann & Co. verkaufen: Höhere Transferausgaben im Sommer führen dort nämlich zu einer schlechteren Platzierung als im Vorjahr (Korrelation: +0,95). Ein Glück nur für Max Eberl, dass auch diese Statistik ihre ganz eigenen Schwächen hat. Ein Beispiel: Wer mit einem positiven Transfersaldo, also nach dem Verkauf von Spitzenspielern, mehr Punkte holt als im Vorjahr mit diesen Spielern, derjenige wird dafür bestraft – überprüft wird schließlich, ob man sich Erfolg erkaufen kann.

Methodische Anmerkungen: Um in der Statistik berücksichtigt zu werden, müssen die Vereine mindestens in zwei aufeinander folgenden Spielzeiten in der ersten Liga gespielt haben (nur so können die Punkte der Vorsaison subtrahiert werden). In die Untersuchungen fließen die Transfereinnahmen und -ausgaben in der Sommer- und Winterperiode vor oder während der Spielzeit ein. Insgesamt werden die Saison 2009/10 bis 2013/14 berücksichtigt. Interessant zu untersuchen wäre auch eine Abweichung vom Mittelwert (höhere oder niedrigere Transferinvestitionen als der Bundesliga-Durchschnitt bzw. mehr oder weniger Punkte auch in Relation zu den durchschnittlichen Punkten eines Bundesliga-Teams in der jeweiligen Saison). Spannend könnte auch eine empirische Analyse sein, inwiefern sich Transfers sportlich erst Zeit versetzt nach einer Integrationsphase rentieren.
Quelle: transfermarkt.de