Vor 10 Jahren: Hoyzers Spielemanipulation löste Wettskandal aus
Heute vor 10 Jahren - Skandal-Schiri Robert Hoyzer erschüttert den deutschen Fußball © Foto: Lario Tus / Shutterstock.com
Share with your friends









Submit

Von Alexander Sarter

Frankfurt/Main, 20. Januar (SID) – Am 22. Januar 2005 wurde der deutsche Fußball in seinen Grundfesten erschüttert. Der DFB gab damals bekannt, dass gegen Bundesligaschiedrichter Robert Hoyzer wegen des Verdachts der Manipulation ermittelt wird. Die Folge war ein riesiger Skandal.

Die bisher letzten Schlagzeilen schrieb Robert Hoyzer vor knapp neun Monaten. Der Skandal-Schiedsrichter von einst sorgte mit seiner Rückkehr in den Fußball für ein wenig Aufmerksamkeit. Das Engagement Hoyzers als Technischer Direktor beim Regionalligisten Berliner AK war den meisten Medien allerdings bestenfalls eine Meldung wert. Vor zehn Jahren füllte Hoyzer dagegen ganze Zeitungsseiten und TV-Sondersendungen.

Kontrollausschuss nimmt Ermittlungen gegen Hoyzer auf

Am 22. Januar 2005 gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekannt, dass der Kontrollausschuss gegen den damals 25 Jahre alten Referee ermittelt. Kurz darauf kam heraus, dass Hoyzer mehrere Zweitligapartien sowie das Pokalspiel zwischen dem damaligen Drittligisten SC Paderborn und dem Hamburger SV manipuliert hat. Als es am Ende 4:2 für Paderborn stand, waren alle Beobachter noch der Ansicht gewesen, dass die Spuck-Attacken der HSV-Fans in Richtung der Profis der Aufreger dieser Partie war – doch mitnichten.

Die Begegnung war der Auslöser des Wettskandals, der den deutschen Fußball monatelang in seinen Grundfesten erschütterte und dessen Drahtzieher bis vor wenigen Monaten noch vor Gericht standen.

Dass sich die Geschichte wiederholen könnte, glaubt der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger aber nicht. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schiedsrichter so etwas tut, der es soweit gebracht hat”, sagte Zwanziger der Bild-Zeitung: “Die Strafe für Hoyzer war sehr abschreckend.”

Anders sieht es Lutz Michael Fröhlich. “Ich habe großes Vertrauen in unsere Schiedsrichter, aber eine hundertprozentige Garantie kann ich nicht geben”, betonte der Referee-Abteilungsleiter des DFB: “Auch Hoyzer hatte ich das nicht zugetraut.”

Auch 10 Jahre danach übt sich Robert Hoyzer in Zurückkahltung

Hoyzer selbst wollte sich zu den Ereignissen von damals nicht äußern. Er wolle seiner Linie der Zurückhaltung, die er seit Jahren pflegt, treu bleiben, sagte er auf SID-Anfrage.

Der mittlerweile 35-Jährige, der am 27. Januar 2005 seine Manipulationen gestand, saß wegen Beihilfe zum Betrug 14 Monate hinter Gittern. 67.000 Euro hatte er von der Wettmafia für seine “Dienste” erhalten. Das Verb “hoyzern” als Synonym für betrügen schaffte es bei der Wahl zum Wort des Jahres 2005 sogar auf den siebten Platz.

Am 17. November desselben Jahres wurde Hoyzer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Diese trat er am 18. Mai 2007 an. 2008 wurde Hoyzer wegen guter Führung vorzeitig entlassen.
Außergerichtlich hatte der Ex-Schiedsrichter gegenüber dem DFB einen Schadenersatz in Höhe von 750.000 Euro anerkannt. Allerdings muss Hoyzer nur 126.000 Euro in Raten zahlen. Dafür verzichtete er darauf, einen wirtschaftlichen Nutzen in Form einer Buchveröffentlichung oder einer Filmproduktion aus dem Skandal zu ziehen.

Zwanziger akzeptierte Gnadengesuch Hoyzers

Dass das frühere Mitglied von Hertha BSC nun beim BAK arbeiten darf, machte die teilweise Aufhebung seiner ursprünglich lebenslangen Sperre vor rund drei Jahren möglich. Im April 2011 akzeptierte Zwanziger das Gnadengesuch Hoyzers.
An Gnade für Hoyzer konnte vor zehn Jahren noch niemand glauben, schließlich hatte der Skandal weitreichende Folgen. Der DFB und die Justiz ermittelten Anfang 2005 auf Hochtouren. Es gab Hausdurchsuchungen, drei Wettpaten wurden verhaftet.

Spieler gaben zu, Geld angenommen zu haben. Manipulierte Partien mussten wiederholt werden, der HSV erhielt zwei Millionen Euro vom DFB als Entschädigung für das verschobene Pokalspiel. Zudem beschloss der Verband ein Wettverbot für alle im Fußball involvierten Personen.

Als verspätete Reaktion führten der DFB, die Europäische Fußball-Union (UEFA) und auch der Weltverband FIFA verschiedene Frühwarnsysteme ein. Der Erfolg dieser Systeme steht allerdings bis heute infrage. Meldungen über Manipulationen rund um den Erdball sind nach wie vor an der Tagesordnung – auch ohne das Mitwirken Hoyzers…

SID as rd © 2008-2015 Sport-Informations-Dienst


Medienlese zum Fall Robert Hoyzer