Geldvernichtungsmaschine Premier League
Welche europäische Liga hat die effektivsten Transfers? © Ivica Drusany / Shutterstock.com
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Welche europäische Liga hat die effektivsten Transfers?

von Moritz Förster: Schießt Geld Tore? Es ist an der Zeit, eine Frage zu entmystifizieren, zu der jeder Manager und Fan eine eigene Meinung hat, aber kaum jemand Daten und Fakten kennt. Wie die vorherige Analyse gezeigt hat, schaffen es zumindest die inländischen Bundesliga-Manager nicht, durch ihre allsommerlichen Transferaktivitäten die Punkteausbeute ihrer Teams deutlich zu steigern. Wie aber sieht es auf internationaler Ebene aus?

Den Champions League-Titel hat sich Real Madrid im vergangenen Jahr teuer erkauft. Die Transferausgaben der Königlichen waren in den vorangegangenen zehn Spielzeiten um rund 620 Millionen Euro höher als die Transfereinnahmen. Zum Vergleich: Finalgegner und Stadtrivale Atlétcio Madrid verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Transferdefizit von rund 92 Millionen Euro. Andererseits: Bei Paris Saint-Germain und Manchester City pumpen Scheichs Jahr für Jahr Millionen in den Kader, ohne dass eine der beiden Mannschaften in der Champions League bis dato richtig für Furore gesorgt hat.

Lassen sich Punkte in der fünf-Jahreswertung erkaufen?

So einfach ist es also nicht, durch das Anhäufen von Superstars zu Titeln und Ruhm zu gelangen. Zu wichtig sind Teamgeist, funktionierende Automatismen sowie die richtige Mischung von Arbeitsbienen und Zauberfüßlern. Aber: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Transferausgaben und Erfolgen auf europäischer Ebene? Welche Länder zeichnen sich durch besonders effektive Transfers aus? Und: In welchen Ländern bringen Spieler verglichen mit ihren hohen Ablösesummen auf dem Platz zu wenig Leistung? Ein Blick in die fünf-Jahreswertung und in die Transfersalden der höchsten nationalen Ligen bringt Licht ins Dunkel.

Transfersaldo und Punkte in der jeweiligen Saison für die fünf Jahreswertung

Transfersaldo und Punkte in der jeweiligen Saison für die fünf Jahreswertung – Datenbasis www.transfermarkt.de

England: Ein Rekordminus im doppelten Sinne

Führender in der fünf-Jahreswertung ist mit Spanien ausgerechnet ein Land, das in den vergangenen fünf Jahren eine positive Transferbilanz vorweisen kann. Die englische Premier League ist dagegen absoluter Krösus im Geldausgeben. Besonders erstaunlich: England hat bis 2012 die fünf-Jahreswertung angeführt und trotz, verglichen mit Spanien, immenser Ausgaben seine Spitzenposition eingebüßt. Ihr Rekordminus verzeichneten die englischen Clubs mit knapp 530 Millionen Euro übrigens vor und während der laufenden Saison. Die Folge: Weder in der Champions League noch in der Europa League erreichte auch nur ein einziger englischer Club das Viertelfinale. Die Punkteausbeute war damit die niedrigste in den vergangenen fünf Jahren.

Spanien: Die positive Transferbilanz von Europas Nummer eins

Auch wenn die Primera División in den vergangenen fünf Jahren insgesamt eine positive Transferbilanz hat: Ihre eifrigsten Punktesammler auf europäischer Ebene – Real Madrid und der FC Barcelona – sind auf dem Transfermarkt für gewöhnlich spendabel. Von daher scheint auch das finanzielle Ungleichgewicht innerhalb der spanischen Liga dafür zu sorgen, dass nur die finanzstärkeren Clubs mit anderen europäischen Vereinen konkurrieren.

Portugal: Der Effektivitäts-Champion

Neben Spanien gibt es in den europäischen Top-Ten mit Belgien, Portugal und den Niederlanden drei weitere Länder, deren Erstligisten in den vergangenen fünf Jahren ein positives Transfersaldo vorweisen. Besonders auffällig ist dabei die portugiesische Primeira Liga, die in jedem der vergangenen fünf Jahre einen Transferüberschuss erzielt hat und dennoch Fünfter im Ranking ist.

England und Russland zahlen für einen Punkt am meisten

Dass die Transfereffektivität in England doch arg zu wünschen übrig lässt, zeigt auch die Relation von Transfersaldo zu erzielten Punkten in der fünf-Jahreswertung. Das durchschnittliche Transferminus eines Premier-League-Vereins beläuft sich je Punkt in der fünf-Jahreswertung auf 25 Millionen Euro. Auch Russland tut sich mit einem Transferminus von gut 9,8 Millionen Euro je Punkt augenscheinlich schwer, sportlichen Erfolg auf europäischer Ebene einzukaufen.

Durchschnittliche Transferüberschüsse und -defizite in der fünf-Jahreswertung

Durchschnittliche Transferüberschüsse und -defizite in der fünf-Jahreswertung – Datenbasis www.transfermarkt.de

England und Portugal: die Gegensätze im Ranking

Die Bilanz portugiesischer Clubs ist umso bemerkenswerter, da diese regelmäßig ihre Top-Spieler ins Ausland verkauft haben. Das Ergebnis ist ein Transferüberschuss von über 470 Millionen Euro. Deutschland war verglichen damit nicht sonderlich sparsam (-383 Millionen Euro), hat aber auch im Verhältnis mit den anderen Top-Ligen aus England, Italien und Frankreich ordentlich gepunktet.

Transfersalden vs. Punkte in der fünf-Jahreswertung

Transfersalden vs. Punkte in der fünf-Jahreswertung – Datenbasis www.transfermarkt.de

Kein statistischer Zusammenhang zwischen Transfersaldo und Punkteausbeute

Mit einem Korrelationskoeffizienten von -0,3 kann übrigens kein signifikanter Zusammenhang zwischen den Transfersalden der Länder und den Ergebnissen in europäischen Club-Wettbewerben festgestellt werden. Deutlich höher ist die Korrelation mit -0,6 in den Niederlanden. Das heißt: Je mehr die Clubs dort vor und während einer Spielzeit ausgegeben haben, umso erfolgreicher waren sie in dieser Saison in Europa und Champions League. Ganz anders ist dies in England: Dort korrelieren Transfersaldo und die Punkte auf europäischer Ebene mit 0,2. Statistisch ist dies zwar nicht sonderlich relevant, die Tendenz der vergangenen fünf Jahre lautet allerdings: Je mehr Geld englische Manager auf dem Transfermarkt verschleuderten, umso weniger Punkte holten ihre Clubs in dieser Spielzeit in europäischen Wettbewerben. Hört sich wie ein Transfer-Eigentor an.

*Alle Daten von www.transfermarkt.de. Stand der fünf-Jahreswertung: 13.4.2015.