FIFA | Festnahmen erschüttern den Weltverband erneut
Wird Joseph Blatter Fifa-Präsident bleiben? © Foto: kojoku / shutterstock.com
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Der Kongress FIFA beginnt schwer belastet. Am Mittwoch wurden sechs FIFA-Funktionäre festgenommen.

Von Jan Mies

Zürich, 27.Mai (SID) – Die FIFA versinkt im Chaos: Einen Tag vor dem Kongress des Fußball-Weltverbands in Zürich sind sechs vermeintlich hochrangige Funktionäre von der Kantonspolizei Zürich festgenommen und abgeführt worden. Einen entsprechenden Bericht der renommierten US-Tageszeitung New York Times bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ).

Vorwurf der Geldwäsche, Bestechlichkeit und Korruption

Unter den Festgenommenen, denen Geldwäsche, die Annahmen von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen wird, sollen sich auch Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees aus den Führungsriegen der Kontinentalverbände befinden. Es geht um Summen jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke aus den vergangenen 20 Jahren. FIFA-Mediendirektor Walter De Gregorio kündigte für Mittwochvormittag (11.00 Uhr) eine Pressekonferenz des Weltverbandes an und wollte zu den Vorkommnissen Stellung nehmen.


 #FIFAcorruption Twitter-Updates



Der Weltverband äußerte sich zu den Berichten zunächst nur sehr zurückhaltend und wollte die erst “Situation abklären”. Nach offiziellen Angaben wurden “auf Anordnung des Bundesamtes für Justiz (BJ) sechs Fußballfunktionäre festgenommen und in Auslieferungshaft genommen. Sie werden verdächtigt, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben”.

In der Mitteilung des Bundesamtes heißt es dazu: “Die mutmaßlichen Bestecher – Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen – sollen in Zahlungen an hochrangige Fußballfunktionäre – Delegierte der FIFA und andere Funktionäre von FIFA-Unterorganisationen – in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein.”

Als Gegenleistung sollen diese bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. “Diese Straftaten sind gemäß Verhaftsersuchen in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden. Die Kantonspolizei Zürich führt am Mittwoch im Auftrag des BJ Anhörungen zu den US-Verhaftsersuchen durch.

Erklärt sich die gesuchte Person bei der Anhörung mit der sofortigen Auslieferung einverstanden, wird ein vereinfachtes Verfahren durchgeführt, teilte das Bundesamt mit. Das BJ kann in diesem Fall unverzüglich die Auslieferung an die USA bewilligen und den Vollzug veranlassen. Widersetzt sich hingegen die gesuchte Person ihrer Auslieferung, wird das BJ die USA auffordern, innerhalb der vom bilateralen Auslieferungsvertrag vorgesehenen Frist von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen.

New York Times twitterte ein Video von der Festnahme


Quelle: New York Times | FIFA officials held in corruption probe

Die sechs FIFA-Funktionäre wurden am frühen Mittwochmorgen aus dem Fünf-Sterne-Hotel “Baur au Lac” abgeführt. Der Korrespondent der New York Times twitterte sogar ein Video von den Festnahmen. Die zivil gekleideten Beamten waren unangemeldet in der Luxusherberge erschienen und ließen sich an der Hotel-Rezeption die Schlüssel für die Zimmer der betroffenen Personen aushändigen. Die Verdächtigen wurden dann direkt aus ihren Zimmern geholt, berichtet die Online-Ausgabe der Zeitung.

 

FIFA-Boss Joseph S. Blatter (79), der sich am Freitag zur Wiederwahl stellt, soll nicht zu den Beschuldigten gehören. Für den Schweizer ist die Polizeiaktion dennoch ein schwerer Schlag. Am Freitag will sich Blatter in seine fünfte Amtszeit bestätigten lassen. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem bislang überhaupt keine Chance eingeräumt wurde. Unter anderem wegen ständigen Korruptionsvorwürfen steckt die FIFA in einer tiefen Krise – genau das wollte Prinz Ali, der allerdings auch in den letzten vier Jahren im FIFA-Exekutivkomitee saß, ändern.

Quelle: SID (mj rd)


Fragen und Antworten zum ‘FIFA-Beben’ in Zürich

Was ist passiert?

Am frühen Mittwochmorgen sind in Zürich sechs vermeintlich hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbands FIFA von der Kantonspolizei Zürich festgenommen und abgeführt worden. Die Polizeiaktion im noblen Fünf-Sterne-Hotel “Baur au Lac” glich einem Hollywood-Film. Die zivil gekleideten Beamten, die wegen eines Ersuchens aus den USA handelten, ließen sich an der Rezeption die Zimmerschlüssel geben und holten die Funktionäre aus ihren Zimmern. Am Donnerstag beginnt in der Schweiz der 65. FIFA-Kongress, am Freitag will FIFA-Boss Joseph S. Blatter (79) in seine fünfte Amtszeit gewählt werden.

Worum geht es?

Laut Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ) geht es um die Annahme von Schmiergeldern jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke aus den vergangenen 20 Jahren. Den Festgenommen werden Geldwäsche, die Annahmen von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen. Die mutmaßlichen Bestecher sind Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen. Als Gegenleistung sollen diese bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. Klar war bislang nur, dass die US-Bundesbehörde FBI seit Monaten Ermittlungen gegen die FIFA und ehemalige FIFA-Funktionäre anstrengt. Blatter hatte zuletzt zurückgewiesen, ins Visier der US-Behörden geraten zu sein.

Wer wurde verhaftet?

Noch unklar. US-Medien sowie Nachrichtensender aus Großbritannien nennen bereits Namen, unter anderem den eines FIFA-Vizepräsidenten. Bestätigt sind diese aber noch nicht. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, seit Jahren im Zentrum der Korruptionsanschuldigungen gegen den Weltverband, gehört aber nicht dazu. Am Mittwoch sollten eigentlich weitere Konföderationssitzungen zur Vorbereitung des Kongresses stattfinden.

Welche Auswirkung haben die Verhaftungen auf die Wahl des FIFA-Präsidenten?

Bestätigen sich die Berichte, dass es aktuelle Mitglieder des Exekutivkomitees getroffen hat, ist der Übergang zum normalen Tagesablauf eigentlich nicht möglich. Die Wiederwahl eines Präsidenten, aus dessen Führungsriege Personen verhaftet wurden und auch ihre Auslieferung in die USA warten, wäre eine Farce. Die FIFA kündigte eine Stellungnahme für Mittwochvormittag an.

Quelle: SID (mj rd)