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Platini wiegelt ab

Von Jan Mies

Frankfurt/Main,  9. Dezember (SID) - Die Korruptionsvorwürfe gegen den Fußball-Weltverband FIFA werden konkreter: In einem französischen Interview hat die “Whistleblowerin” Phaedra Almajid erneut schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber Katar erhoben und von Schmiergeldzahlungen des Wüstenemirats für die WM-Vergabe 2022 berichtet. UEFA-Präsident Michel Platini wehrt sich hingegen vehement gegen die Vorwürfe, sein Votum für Russland 2018 verkauft zu haben.

Schmiergeldzahlungen während Afrika-Meisterschaft 2010?

Während der Afrika-Meisterschaft 2010 hätten in einer Hotel-Lobby in Angolas Hauptstadt Luanda drei Übergaben von Geldkoffern stattgefunden, berichtete Almajid. Eine Person im Raum habe erwähnt, “wie erfreut die Katarer seien, dass hochrangige Funktionäre aus Afrika anwesend sind und sie den Verband gerne mit einer Million Dollar unterstützen würden”, sagte die frühere Pressechefin der Katar-Bewerbung, die ihren Job 2010 verloren hatte, dem Magazin France Football: “Der Funktionär antwortete, ohne die Katarer auch nur anzusehen: ‘Ah, eine Million Dollar… Warum nicht eineinhalb Millionen?'”

Der Katarer habe anschließend gesagt, er hoffe, auf die Unterstützung seines Gesprächspartners zählen zu können. Dieser habe ihm versichert, dass dies der Fall sei. “Und das war es dann”, sagte Almajid. Ähnliche Situationen habe es bei zwei weiteren hochrangigen afrikanischen Funktionären gegeben. Namen nannte sie nicht.

Whistleblowerin Almajid: “Eckert hat mich den Löwen zum Fraß vorgeworfen”

Almajid hatte FIFA-Chefermittler Michael Garcia bei dessen Bericht über Korruption im Zuge der WM-Vergabe mit Informationen unterstützt. Seit ihr Name – anders als geplant – öffentlich wurde, müsse sie “bis zum Rest meines Lebens” auf der Hut sein, sagte sie und beschuldigte den deutschen FIFA-Ethikchef Hans-Joachim Eckert schwer: “Er hat mich den Löwen zum Fraß vorgeworfen, indem er mich in dem Report identifizierbar gemacht hat.”

Gar nicht aufgetaucht in Garcias Ermittlungen, die derzeit erneut ausgewertet werden müssen und deshalb für die tiefe Krise im Weltverband mitverantwortlich sind, war anscheinend der Name Platinis, der sich aber erheblichen Vorwürfen in den Medien stellen musste.

UEFA-Chef Platini: “Ich bin mehr als unschuldig”

“Ich bin mehr als unschuldig”, sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) dem französischen Radiosender Europe 1: “Ich habe weder einen Picasso, noch Goldbarren, Benzin oder Gas erhalten.” Er sei das “Opfer” der Ermittlungen mit “Gerüchten über die Privatsphäre”.

Die britische Sunday Times hatte sich zuletzt auf dubiose Dokumente der gescheiterten englischen WM-Bewerber berufen und berichtet, Platini habe kurz vor der Wahl am 2. Dezember 2010 ein dem Maler Pablo Picasso zugeschriebenes Gemälde aus Russland erhalten. Der Franzose sprach anschließend von “lächerlichen Gerüchten”.

Auf die Frage, ob diese aus dem Umfeld des FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter gestreut worden sein, antwortete Platini vielsagend: “Ich weiß es nicht, es gibt da viele Interessen. Viele wollten die Endrunde in den USA sehen. Aber ich wiederhole mich. Ich habe aus Überzeugung für Katar und Russland gestimmt. Ich will, dass der Fußball neue Regionen erschließt.”

Wenn die Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission allerdings doch noch Beweise für eine unsaubere Wahl liefern würden, “werden die Endrunden neu vergeben werden”, sagte der UEFA-Präsident.

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