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Fragen und Antworten zur Stellungnahme der FIFA-Ethikkommission zu den WM-Vergaben 2018 und 2022

FRANKFURT/MAIN, 13. November (SID)

Die FIFA-Ethikkommission hat die WM-Ausrichter Russland 2018 und Katar 2022 von jeglichen Korruptionsverdächtigungen freigesprochen – zumindest vorerst. “Die Untersuchungskammer hat weder Vergehen noch Verstöße gegen die maßgebenden Bestimmungen und Regelungen festgestellt”, teilte der deutsche Richter Joachim Eckert in seiner Funktion als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer mit. Heißt: Zumindest während des Bewerbungsprozesses und der doppelten Vergabe am 2. Dezember 2010 ist alles sauber (genug) abgelaufen. Chefermittler Michael J. Garcia sprach nur Stunden später allerdings von “unvollständigen und fehlerhaften” Fakten. Er will Einspruch einlegen – es droht eine Farce!

ALLES SAUBER? IN DER FIFA? WIRKLICH?

Ein paar “Kleinigkeiten” hat Garcia in seiner rund zweijährigen Arbeit schon aufgedeckt, die stehen auch schon in Eckerts Bericht. Die Einflüsse auf die Vergabe als Ganzes seien aber “weit davon entfernt”, eine Neuausschreibung erforderlich zu machen. Sagt Eckert. Getadelt werden unter anderem die unterlegenen Bewerber aus England und Australien. (Bestechungs-)Geld scheint schon geflossen zu sein, oder es wurden schöne Geschenke verteilt – alles aber ohne (beweisbaren) Bezug zum Bieterverfahren. Zudem wird die Ethikkommission wohl einige Verfahren gegen FIFA-Offizielle eröffnen. Namen wurden noch nicht genannt.

WAS IST MIT PRÄSIDENT JOSEPH S. BLATTER?

Der Sonnenkönig des Weltverbandes geht wie erwartet ohne Schrammen aus den Ermittlungen hervor. Der 78-jährige Schweizer, der im kommenden Jahre in seine fünfte Amtszeit gewählt werden will, wird sogar für seine Kooperationsbereitschaft gelobt. Außerdem war es ja Blatter, der mit seinen Reformen die Ermittlungen erst möglich gemacht hat. Sagen die Ermittler.

WAS SCHLÄGT DIE ETHIKKOMMISSION VOR?

Eckert und seine Kollegen geben durchaus sinnvolle Empfehlungen für die Zukunft. So ist in der Stellungnahme unter anderem die Rede von Amtszeitbeschränkungen für die Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, einem transparenten Rotationsprinzips für die WM-Endrunden, und einem strikten Reiseverbot für die Entscheider in die Bewerbernationen. Entschieden werden Reformen aber durch das FIFA-Exko, das im Dezember in Marokko tagt. Das Thema Amtszeit- und Alterslimit hatte der FIFA-Kongress vor der WM bereits abgeschmettert.

SIND ALLE ERKENNTNISSE VERÖFFENTLICHT WORDEN?

Nein. Frei zugänglich sind nur die 42 Seiten von Eckert. Der komplette “Garcia-Report” (rund 350 Seiten plus Anhang) dürfte wohl aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden. Garcia hatte das allerdings vehement gefordert. Auch die Rolle der US-Bundespolizei FBI, die vermeintlich sogar einen Spitzel ins FIFA-Exko eingeschleust hatte, bleibt völlig offen.

WAR ES DAS JETZT MIT DER DISKUSSION ÜBER RUSSLAND UND KATAR?

Nein! Zwar hat die FIFA jetzt vorerst den ersehnten Abschluss der Ermittlungen zu Betrug und Korruption – natürlich abhängig davon, was Garcia jetzt macht. Alle weiteren Probleme mit den weltweit höchst umstrittenen WM-Gastgebern bleiben aber ohnehin bestehen. In Katar sterben offenbar immer noch ausgebeutete Gastarbeiter, in Russland freut sich Präsident Wladimir Putin auf weitere persönliche Festspiele nach den Olympischen Spielen 2014, die beispielsweise die Ukraine-Krise übertünchen. Und strittig ist weiterhin der Termin der Katar-WM – im Sommer kann wohl nicht gespielt werden. Welcher Termin ist aber am besten, im Frühjahr 2022 oder im Herbst 2022? Im gleichen Jahr finden bekanntlich auch Olympische Winterspiele (Almaty oder Peking) statt.

SID mj rd

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 Weiterführende Links zur FIFA-Ethikkommission und dem Garcia-Bericht