Wer wird der nächste FIFA-Präsident?
Wird Joseph Blatter Fifa-Präsident bleiben? © Foto: kojoku / shutterstock.com
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Der Wahlkampf ist eröffnet

Nach der offiziellen Bestätigung der drei Gegenkandidaten Blatters bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten am 29. Mai 2015 hat nun der Stimmenfang begonnen. Wer hat die besten Chancen, Sepp Blatter vom FIFA-Thron zu stoßen? Der portugiesische Rekordnationalspieler Luis Figo? Der Chef des niederländischen Fußballverbands, Michael van Praag? Der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein? Oder läuft es bei den drei Anwärtern doch auf eine “Allianz gegen Blatter” hinaus? Zwar können auch die folgenden Portraits der Präsidentschaftskandidaten diese Fragen nicht beantworten – wohl aber aufzeigen, womit Figo, van Praag und Ali bin Al Hussein im Wahlkampf möglicherweise punkten können.

Luis Figo (Portugal)

Vor zwölf Jahren wurde Luis Figo im Camp Nou von einem schwer gekränkten Fan des FC Barcelona mit einem Schweinekopf beworfen, jetzt will der inzwischen 42-jährige Portugiese den “Sauhaufen” FIFA ausmisten. Der Weltfußballer von 2001 will Präsident des Weltverbands werden – und die tiefe Krise mit der Ablösung von Joseph S. Blatter beenden. Seine Chancen sind gering, der Glamour-Faktor seiner Bewerbung dafür hoch.

“Wenn man bei der Internetsuche den Begriff FIFA eingibt, ist das erste Suchergebnis das Wort ‘Skandal'”, sagte Figo: “Das ist das Erste, was wir ändern müssen. Wir müssen das Image der FIFA verbessern. Der Fußball verdient nämlich etwas Besseres als das.” Sein Wahlprogramm: “Wir brauchen Veränderung in der Führung, der Transparenz und der Solidarität. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt gekommen.” Sollte er gewählt werden, würde der Iberer sogar Frankreichs einstigem Weltstar Michel Platini übertreffen, der sich 2007 als ehemaliger Weltklassespieler zum UEFA-Präsidenten wählen ließ.

Die Kandidatur des Rekordnationalspielers (127 Spiele/32 Tore) ist die mit Abstand glanzvollste der vier Bewerber, und sie scheint durchdacht. Direkt hatte Figo die fünf nötigen Empfehlungsschreiben beisammen, Unterstützung bekommt der Ex-Profi vor allem von ehemaligen Kollegen.

Roberto Carlos, Patrick Vieira, Steve McManaman – die Liste ließt sich wie eine alte Weltauswahl. Die früheren Starspieler haben beim Kongress im Mai aber keine Stimme. Auch nicht die vielen Fans weltweit, die den “schönen Luis” wohl zu gerne auf dem Platz des fast doppelt so alten Blatter (78) sehen würden.

Figo, der seine Karriere 2009 bei Inter Mailand beendet hatte, war einer der schillerndsten Profis seiner Generation. Auf dem Höhepunkt gehörte der in Almada geborene Offensivkünstler zu den “Galaktischen” von Real Madrid, zum “weißen Ballett”. An der Seite von Zinedine Zidane und Ronaldo gewann er 2002 die Champions League gegen Bayer Leverkusen. In seiner portugiesischen Heimat wurde Figo sechsmal zum besten Spieler des Jahres gekürt, 2000 war er Europas Fußballer des Jahres. Mit der Nationalelf wurde er bei der WM 2006 in Deutschland Vierter.

Abseits des Platzes vermied der Superstar die großen Schlagzeilen – vom Schweinekopfwurf nach seinem Abgang vom FC Barcelona zu den Erzrivalen nach Madrid mal abgesehen. Seit 2001 ist er mit dem schwedischen Model Helen Svedin verheiratet. Gemeinsam haben die beiden drei Töchter.

Michael van Praag (Niederlande)

Schon im WM-Sommer hatte Michael van Praag genug. Als FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Brasilien eine Konferenz der Europäischen Fußball-Union (UEFA) besuchte, stand der niederländische Verbandsboss buchstäblich auf – und forderte vehement den Rücktritt des scheinbar allmächtigen Schweizers (78). Ein Jahr später macht van Praag ernst.
Am 29. Mai tritt der 67-Jährige trotz geringer Chancen bei der Präsidenten-Wahl des Weltverbandes an, er will die maroden Strukturen der krisengeschüttelten FIFA aufbrechen. Und einen Neuanfang wagen.

“Ich sehe viele Dinge anders als Blatter. Ich mag ihn als Person, aber er ist die Personifikation des schlechten FIFA-Images. Er ist nicht in der Lage, die FIFA neu aufzustellen – ich will ein Präsident für alle Länder sein”, sagte van Praag: “Ich will die FIFA modernisieren, so dass sie fit ist für die neue Generation. Es geht nicht um eine einzelne Person, es geht um die FIFA.”

Das Funktionärswesen hat der niederländische Kandidat quasi im Blut. Schon Vater Jaap prägte als Boss bei Ajax Amsterdam eine Ära, ehe Sohn Michael den Traditionsverein Mitte der 90er-Jahre an die Spitze des europäischen Fußballs führte. Das brachte ihm Respekt ein. Und viele Unterstützer.

“Ich persönlich kann über ihn nur Gutes erzählen. Er ist eine absolut integre Persönlichkeit mit einer hohen Glaubwürdigkeit”, sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): “Er sieht seine Aufgabe darin, vor allem das Image (der FIFA, d. Red.) wieder positiver zu gestalten und die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Er führt selber aus, dass er Erfahrung in diesen Dingen hat. Er hat auch gegenüber Sepp Blatter mit offenen Karten gespielt, was ich sehr gut finde.”

Seine Empfehlungsschreiben bekam van Praag von den Verbänden aus Belgien, Schweden, Rumänien, Schottland, den Niederlanden und von den Färöer. “Es stehen aber noch mehr hinter mir”, versicherte der Präsident des KNVB. Auch der frühere Weltstar Johan Cruyff bot sich als Wahlkampf-Helfer an. “Ich kenne ihn jetzt 50 Jahre und wir sind noch immer gute Freunde. Er ist eine Person, auf die man zählen kann. Folglich stehe ich ihm immer zur Verfügung”, schrieb die niederländische Legende. Ob es was hilft, ist fraglich.

Prinz Ali (Jordanien)

Der Prinz erlebte seinen ersten Rückschlag ausgerechnet im eigenen Reich. Nur Tage nachdem Ali bin Al Hussein seine Kandidatur für die Präsidenten-Wahl des Fußball-Weltverbandes FIFA angekündigt hatte, versagten ihm die Verbände der asiatischen Konföderation AFC die Unterstützung. Die schmerzliche Erkenntnis, noch vor dem offiziellen Wahlkampf-Auftakt: Asien ist Blatter-Reich, da hilft auch kein jordanischer Prinz.

Anschließend sprach der FIFA-Vize und Präsident seines Heimatverbandes von einer “Kultur der Einschüchterung” im Weltverband. Er wäre der Richtige, um die tief in der Krise steckende FIFA endlich zu revolutionieren. Bei der Wahl am 29. Mai in Zürich ist Prinz Ali gegen Amtsinhaber Joseph S. Blatter (78) dennoch so gut wie chancenlos.

Die ersten Gerüchte über die Ambitionen des 39-jährigen Adligen kamen bereits im vergangenen Jahr auf, nachdem Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und guter Freund des Prinzen, seinen Verzicht erklärt hatte. Ein Kandidat für Europa sei Prinz Ali, hieß es hinter vorenthaltener Hand. Auch, wenn er selbst von einer “Kandidatur für die ganze Welt” spricht.

Prinz Ali, Bruder von Prinzessin Haya, der langjährigen Präsidentin des Weltreiterverbandes, wurde 2011 als jüngstes Mitglied in das FIFA-Exekutivkomitee gewählt. In Jordanien steht er seit 16 Jahren an der Spitze des Verbandes. Früh hatte er sich wegen der Korruptionsvorwürfe im Zuge der WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) in Stellung gebracht und Transparenz gefordert.

“Ich tue das, weil ich glaube, dass es an der Zeit ist, den Fokus wieder auf den Sport zu richten”, sagte der Sohn des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien, der jahrelang in Großbritannien und den USA studiert hatte: “Die Botschaft, die ich immer und immer wieder gehört habe, war, dass es Zeit für Veränderungen ist. Das Weltspiel verdient eine Weltklasse-Regierung – eine internationale Vereinigung, die eine Dienstleistungsorganisation ist und Beispiel gibt für Ethik, Transparenz und gute Führung.”

Möglich ist für den Prinzen offenbar auch eine Allianz gegen Blatter. “Ich muss mit den anderen Kandidaten darüber sprechen”, sagte der 39-Jährige. Dann würde sich nur einer der drei Herausforderer zur Wahl stellen – mit dann vermeintlich besseren Chancen gegen den großen Favoriten Blatter, der seine fünfte Amtszeit anstrebt.

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