Fußball killen Spieler und Frauen sind zu teuer.
Share with your friends









Submit

Medienlese vom 6. Oktober 2014

Themen heute u.a.: Überlastete Profi-Kicker, gefährlicher Kunstrasen, Frauen klagen gegen Blatter, das DFB-Leistungszentrum & „Live your Goals“

Fußball killen Spieler. Gündogan, Reus, Badstuber. Das sind nur einige Namen auf der langen Liste von (Langzeit-)Verletzten in der Bundesliga. Inzwischen kommt bundesligaübergreifend immer häufiger die Frage auf, ob schlichtweg eine permanente Überbelastung der Spieler die Ursache der vielen Verletzungen sei, insbesondere in den Teams, die auch im internationalen Fußballgeschäft mitmischen. Trainer der Top-Klubs sind sich einig, dass die Belastung zu hoch und der Spielplan zu eng sei. Der FC Bayern München-Chefcoach Pep Guardiola spricht sogar davon, dass „die Spieler gekillt würden“.

Nun ist es allgemein bekannt, dass in den Europäischen Top-Ligen längst nicht mehr der Spaß am Fußball im Vordergrund steht. Der Rubel muss rollen und mehr Spiele bedeuten höhere Einnahmen. Verantwortliche der Vereine sehen als einzige Konsequenz um dieser Misere entgegenzusteuern, die Ausweitung ihrer Kader auf vierzig Mann und mehr. Mehr Spieler bedeuten jedoch eine höhere finanzielle Belastung, die wiederum durch noch mehr Spiele kompensiert werden müsste. Ein Teufelskreis, so scheint es.

Athletiktrainer und Sportwissenschaftler wie Pedro Gonzalez (ehemals FC St. Pauli, Anmerkung der Redaktion), der auch schon für die DFB-Elf tätig war, sind da jedoch gänzlich anderer Meinung. Zwar sehe auch er eine Überforderung der Spieler, die Ursache dafür sei aber nicht eine Überlastung, sondern schlichtweg mangelhaftes Training. Gonzalez meint: „Viele der Top-Bundesligaspieler würden von jedem Wasserballteam nachhause geschickt werden“.

Soll heißen, beim Training wird der Fokus viel zu wenig auf Ausdauer, Kraft, Spring- und Sprungkraft der Spieler gelegt und viele Bundesligatrainer zeigen schlichtweg kein Verständnis für deren Bedeutung in Hinblick auf die körperliche Konstitution der Spieler, so Gonzalez. Dabei ließen sich seiner Meinung nach viele Verletzungen durch gezieltes Training vermeiden. Nun ja, zumindest kommt Gonzalez Paradebeispiel eines in seinen Augen schlecht trainierten Spielers nicht aus der Bundesliga, sondern aus der englischen Premier League. „Wayne Rooneys Körper erinnere ihn eher an den eines englischen Hooligans als an den eines Spitzensportlers“.
welt.de, derwesten.de

Verletzungsgefahr im Untergrund. „Fußabstreifer auf Beton“, so bezeichnet die deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer den Untergrund, auf dem 2015 die Fußballweltmeisterschaft der Frauen ausgetragen werden soll. Über vierzig internationale Spielerinnen haben aus diesem Grund eine Klage gegen den Weltfußballverband FIFA eingereicht. Von Diskriminierung ist die Rede. Bedenkt man, dass die Austragung einer WM der Männer auf Kunstrasen völlig indiskutabel erschiene, ist dieses Stichwort nicht abwegig. FIFA-Präsident Blatter hingegen sieht die Zukunft des Fußballs auf Kunstrasen.

Als zentrale Frage stellt sich, welche Qualität der zur WM eingesetzte Kunstrasen gewährleisten müsse. Moderne Kunstrasenplätze weisen laut Befürwortern kaum Unterschiede zu Naturrasen auf. Den Gegenbeleg liefern die den Aufstand probenden Spielerinnen in Form von Fotos, auf denen schwere Kunstrasen-Verletzungen zu sehen sind.

Zwar wurde die Beauftragung einer unabhängigen Kommission veranlasst, welche nun die Spielstätten in Kanada begutachten soll, jedoch scheint die Entscheidung mit oder ohne Gutachten bereits getroffen zu sein. Laut Angaben von Tatjana Haenni, der Verantwortlichen bei der FIFA für Frauen-Turniere, gäbe es keinen Plan B für Alternativen zum Kunstgrün.

Welche Auswirkung die Klage gegen die FIFA haben wird, ist ungewiss. Mit einer Fortsetzung des von US-Medien mitunter als „Turf War“ bezeichneten Disputs darf gerechnet werden.
deutschlandfunk.de, bbc.com, sportsnet.ca, framba.de

Frauen sind teuer. Auf jeden Fall zu teuer für den VfL Bochum, der sich nach Ende der Saison 2014/15 von seiner Frauen- und Mädchenfußballabteilung trennen wird. Einstimmig vom Vorstand beschlossen, begründet der Verein den Schritt mit mangelnden Perspektiven, insbesondere für die erste Frauenmannschaft, die derzeit in der zweiten Bundesliga spielt.

Mit anderen Worten ist dieser Schritt beim Vfl Bochum wieder einmal ein Beleg dafür, wie Bundesligisten versuchen, ihre knappen Kassen auf Kosten und zu Lasten des Frauenfußballs zu sanieren. Beim Vfl Bochum ist dieser Schritt zudem in zweifacher Hinsicht tragisch. Nicht nur, dass durch diese Entscheidung ein völlig falsches Signal hinsichtlich der Relevanz, der Emanzipation und Gleichberechtigung des Frauenfußballs gesendet wird, die Frauenfußballabteilung des Vfl Bochum ist zudem paradoxerweise der Nachwuchsabteilung des Klubs zugeordnet. Indizien (Ge-)schlechter Förderung?
welt.de, vfl-bochum.de

…apropos Nachwuchsförderung und Frauen. Mit der Initiative „Live your Goals“ will der Weltfußballverband FIFA weltweit mehr Mädchen und Frauen für den Fußball begeistern. Auch im September wurden unter anderem in Australien, Armenien, Panama und Kirgisistan (Staaten, die nicht unbedingt als Fußballnationen geläufig sind) Fußballfestivals veranstaltet, um Mädchen den Spaß am Kicken zu vermitteln und deren bereits vorhandene fußballerische Fähigkeiten zu verbessern. „Live your Goals“ will durch den Fußball vermitteln, dass Träume durch Leidenschaft wahr werden können, ganz gleich wie groß die Hindernisse sind. Finanzielle Hindernisse womöglich ausgenommen, wenn wir noch einmal den Blick zurück nach Bochum wagen.
fifa.com

Ein schwarzer Tag für den grünen Gürtel. Der vom DFB geplante Bau seines neuen Leistungszentrums im Frankfurter Grüngürtel stößt auf breite Kritik. Nun könnte man denken, innerhalb der schwarz-grünen Koalition im Römer herrsche womöglich ein Disput aufgrund der ökologischen Fragwürdigkeit der Standortwahl. Mitnichten. Dort ist man sich einig, dass der Bau eine gute Entscheidung sei und auch von großem Stolz, andere Standortkonkurrenten wie Köln ausgestochen zu haben, ist die Rede.

Wenn es aber um Geld und Prestige geht, fällt das Thema Landschaftsschutz eben gerne mal unter den Tisch. Anders verhält es sich mit den Forderungen des Rennklubs Frankfurt, dem Veranstalter auf der Pferderennbahn. Diese müsste nämlich beim Bau der DFB-Akademie weichen, zumindest laut einer nicht unumstrittenen Machbarkeitsstudie. Der Rennklub-Präsident wünscht sich hingegen eine Koexistenz von Pferde- und Fußballsport. Laut Gutachten des Frankfurter Architekturbüros Albert Speer & Partner besteht diese Möglichkeit jedoch aus Platzmangel nicht.

Albert Speer & Partner waren und sind in große internationale Projekte des Fußballsports involviert, zuweilen auch in Kooperation mit dem DFB. Eventuell ein Umstand, der das Stichwort Objektivität unter Umständen in Frage stellen und weitere Diskussionen schüren könnte. Bleibt die Bewertung der Frankfurter Stadtverordneten abzuwarten, die am 16. Oktober über das Bauvorhaben abstimmen werden. Keine leichte Wahl.
fnp.de, haz.dedeutschlandfunk.de

Wer? Wenn nicht wir! Unter diesem Motto startete vergangene Woche die Aufstiegshelfer-Initiative des Anpfiff ins Leben e. V.. Elf führende Top-Manager und Wirtschaftsvertreter aus der Metropolregion Rhein-Neckar machten den Anfang für diese beispielhafte Jugendförderungsinitiative. Als ersten „Einstieg zum Aufstieg“ gewähren die Unternehmer Jugendlichen persönlich einen Einblick in ihren Berufsalltag. Anschließend absolvieren die Jugendlichen ein Praktikum im Unternehmen. Je nach individueller Alters-, Lern- und Lebensphase agieren die Unternehmer außerdem als Mentor, Vorbild oder Freund. Das Ziel der „Aufstiegshelfer-Initiative“ ist es, bereits in der Berufsorientierungsphase konkrete Angebote aufzuzeigen und Einblicke in Unternehmen zu gewähren.
nachhaltigkeit-im-fussball.de, anpfiff-ins-leben.de


 Zitat des Tages

„Kunstrasen ist die Zukunft des Fußballs“

FIFA-Präsident Sepp Blatter im Kontext des Disputs um den Einsatz von Kunstrasen zur Frauenfußball-WM 2015 in Kanada (Quelle: framba.de)


 Tweet des Tages

Oliver Schwesingers Kommentar zum Auftritt #Benedikt #Höwedes bei #wettendass