Primera División – Korruption im Schatten des Mindestlohns
Primera División: Korruption © Pedro Rufo
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Teil 2: Schwerpunkt-Thema Spanischer Fußball – Primera División – Korruption und Spielemanipulation im Schatten der Mindestlohndebatte

Mehr als eine (offene) Hand voll Peseten

Bestimmt ist es nur ein Zufall, dass die Einführung des Mindestlohnes in den höchsten spanischen Profiligen zeitlich sehr eng zusammen fällt mit den neuerdings verstärkten Bemühungen der spanischen Antikorruptionsbehörde, potentielle Spielmanipulationen in der Primera División aufzuklären. Ein besonderes Augenmerk der Behörde liegt auf der bereits im Mai 2011 stattgefundenen Partie zwischen UV Levante und Real Saragossa, die 1:2 zu Ende ging und Saragossa damit den Klassenerhalt sicherte. Inzwischen steht fest, dass nicht die sportliche Leistung Saragassos den Abstieg verhinderte, sondern die stattliche Summe von 1,2 Millionen Euro. Diese ließ der ehemalige Präsident der Königlichen aus Saragossa neun Spielern sowie dem Trainer des gegnerischen Vereins zukommen.

Und dies ist höchstwahrscheinlich nur der Tropfen auf dem heißen Stein der Korruption. Laut einer vom spanischen Ligapräsidenten Javier Tebas veranlassten Studie seien mindestens 6 von 13 begutachteten Erstligapartien nicht ohne Manipulation abgelaufen. Eine erschreckend hohe Zahl einerseits, nicht zwangsläufig verwunderlich andererseits, bedenkt man, dass Bestechung im spanischen Profifußball überhaupt erst seit Dezember 2010 durch eine Gesetzesänderung von den Behörden verfolgt werden kann. Zuvor wurden abgesprochene Partien als kaum nachweisbar abgetan, zudem war auch die Zahlung von Erfolgsprämien nicht unüblich. Hierbei ist jedoch nicht von Erfolgsprämien nach einer gewonnenen Begegnung die Rede, sondern vielmehr von Motivationszahlungen davor – und zwar nicht durch den eigenen Verein, sondern durch dritte, die sich dadurch beispielsweise Hilfe im Abstiegskampf erhofften.

Im Falle Saragossa hat die Profi-Liga LFP zu Beginn des Jahres Anzeige wegen Manipulationsverdacht gestellt, welcher nach den spanischen Gesetzen mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und vier Jahren geahndet werden kann. Dass einige Fälle von Spielmanipulation jedoch unaufgeklärt bleiben, ist durch das späte Einschreiten der Behörden zu erwarten. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich einige Profi-Spieler Ihren Lohn in den vergangenen Spielzeiten durchaus außerhalb des Platzes ein wenig aufgebessert haben und dies ungeahndet bleibt.

Womit wir wieder bei der Frage wären, ob spanische Spieler einen Mindestlohn brauchen (oder eben andere Mittel und Wege finden, um der Kluft zwischen den Einkommensverhältnissen entgegenzuwirken …). Oder soll eben besagter Mindestlohn als Präventionsmittel gegen Bestechlichkeit dienen? In diesem Fall darf spekuliert werden.

Mindestlohn in der Primera División beschlossen

Inzwischen haben sich der Spanische Ligaverband LFP und die Spielergewerkschaft AFE auf einen festgelegten Mindestlohn für Fußball-Profis in der Primera División und zweiten Liga verständigt.

Demnach müssen Spieler der Primera División im Jahr mindestens 129.000 Euro (inklusive Prämien) verdienen. In der zweiten Liga muss ein Profi mit mindestens 64.500 Euro vergütet werden. Die Superstars der Primera División, wie zum Beispiel Ronaldo, Messi oder Bale, die inkl. Werbeeinnahmen leicht auf ein Jahressalär von 50 Mio. Euro und mehr kommen, hatten sich von der Einführung des Mindestlohns sicherlich mehr für sich erhofft. Um 129.000 Euro zu verdienen, braucht Cristiano Ronaldo nicht einmal einen Tag. Bei einem geschätzten Jahresgehalt von 60 Mio. Euro macht er die 129.000 Euro alle 18 Stunden, an 365 Tagen im Jahr.
faz.net (1), faz.net (2), sueddeutsche.de, handelsblatt.com, wn.de


Zitat des Tages

„Wenn es die großen Traditionsvereine über Jahre und Jahrzehnte nicht geschafft haben, sich über einen seriösen Weg wieder im Profi-Fußball zu etablieren, dann darf sich niemand beschweren, wenn dann ein anderer Weg beschritten wird und dieser auch zum Erfolg führt.“

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Diskussionen über die Daseinsberechtigung des RB Leipzig (Quelle: lvz-online.de)